Sechs Minuten und fünfzig Sekunden. So lange braucht der neue Volt-Dragon-Lader von Chery nach Angaben des Herstellers, um einen Pkw von 10 auf 97 Prozent zu laden. Der chinesische Hersteller zeigte das System diese Woche auf seiner Global Innovation Conference, die Spitzenleistung liegt bei 1,44 MW. Kein derzeit in Europa verkauftes Chery-Modell kann diese Leistung aufnehmen, und welche Fahrzeuge es künftig können, hat das Unternehmen nicht genannt.
Was Chery vorgestellt hat
Chery ist der vierte chinesische Hersteller, der einen Lader der Megawatt-Klasse auf die Bühne bringt – nach BYD, Huawei und Geely. Für die Volt-Dragon-Einheit nennt das Unternehmen 1,44 MW Spitzenleistung und ein Fenster von 10 bis 97 Prozent in 6 Minuten 50 Sekunden. Später soll das System laut Chery einen Roboterarm für das automatische Anstecken und eine Rückspeisung ins Netz (Vehicle-to-Grid) unterstützen. Der Rollout beginnt in China. Die ersten Stationen, beschrieben als 100-MW-Anlagen, sind in zehn Städten geplant; detaillierte Ausbaupläne sollen vor Ende 2026 folgen. Bis 2029 will das Unternehmen weltweit mehr als 20.000 V2G-fähige Volt-Dragon-Stationen betreiben. Ein Auto hatte Chery allerdings nicht dabei. Ein kompatibles Modell wurde nicht genannt. Car News China berichtet lediglich, dass die Fahrzeuge wohl 800-V- oder 1.000-V-Architekturen nutzen werden.Was 1,44 MW in Zahlen bedeuten
Spitzenwerte lassen sich leicht drucken und schwer einordnen. Ein paar Umrechnungen helfen. Bei 1.000 V bedeutet 1,44 MW einen Strom von 1.440 A durch das Kabel. Deshalb setzen diese Systeme auf flüssigkeitsgekühlte Leitungen. Würde der Lader seine Spitzenleistung über die gesamten 410 Sekunden des Chery-Fensters halten, flössen rund 164 kWh in das Auto. Die tatsächlich genannte Angabe – 10 bis 97 Prozent – entspricht etwa 87 kWh bei einer Batterie von rund 100 kWh. Im Schnitt sind das etwa 760 kW, die beworbene Spitzenleistung liegt also fast doppelt so hoch wie der Durchschnitt. Ein 350-kW-Lader bräuchte für dieselben 87 kWh bei voller Leistung rund 15 Minuten, ein 150-kW-Gerät etwa 35 Minuten. Reale Autos drosseln, deshalb sind das Rechenbeispiele und keine Versprechen. Zum Vergleich: 1,44 MW entsprechen in etwa 83 tschechischen Haushalten, die im selben Moment über einen üblichen 3×25-A-Anschluss Strom ziehen. Für eine Familie mit kleinen Kindern sind sieben Minuten außerdem kürzer als der Stopp selbst meist dauert.Die Konkurrenz in China
BYD nennt 6 Minuten 27 Sekunden für 10 bis 98 Prozent. Huawei und Geely geben 8 bis 9 Minuten an. Cherys Marketingzeile lautet laut Car News China 500 km in fünf Minuten. Stationszahlen unterscheiden die Unternehmen stärker als die Stoppuhr. BYD erklärte Ende August, 10.000 Flash-Charging-Stationen installiert zu haben, und will bis Ende 2026 20.000 erreichen. Cherys Ziel von 20.000 ist auf 2029 datiert und umfasst V2G-fähige Standorte weltweit, nicht nur Megawatt-Stationen.Was fehlt
Kein unabhängiger Test, keine veröffentlichte Ladekurve, kein genanntes Fahrzeug. Die 6:50-Marke stammt vom Hersteller, und niemand außerhalb von Chery hat sie wiederholt. Die Batterielebensdauer ist bei jedem sehr schnellen Laden die offene Frage. Wer sieben Minuten lang im Schnitt 760 kW in ein Pack drückt, erzeugt viel Wärme in den Zellen – und die müssen mehrere hundert solcher Ladevorgänge überstehen. An toleranteren Zellchemien wird weiter gearbeitet. Das Fraunhofer ISE meldete eine Silizium-Anoden-Zelle, die nach 1.000 Zyklen bei 280 Wh/kg noch 83 Prozent ihrer Kapazität hielt. Das ist ein Laborergebnis, kein Serienauto, zeigt aber, wo die Grenze liegt. Die Netzanschlüsse sind die zweite Grenze. Electrify Americas Hub mit 24 Ladepunkten und 350 kW bei Orlando zeigt, wie ein großer Standort im Westen heute aussieht. Eine einzelne 1,44-MW-Säule zieht mehr Strom als vier dieser Ladepunkte zusammen.Europäische Ladevorgaben
Chery verkauft in Europa Autos unter den Marken Omoda und Jaecoo, hat für diesen Markt aber kein Megawatt-Laden angekündigt. Die AFIR-Vorgaben der EU setzen den aktuellen Maßstab: Ladeparks alle 60 km im TEN-T-Kernnetz, mit mindestens 400 kW Gesamtleistung und einem 150-kW-Punkt bis Ende 2025, steigend auf 600 kW mit zwei 350-kW-Punkten bis Ende 2027. Um diese Lücke zu schließen, braucht es Netzanschlüsse, einen gemeinsamen Standard und Autos, die die Leistung aufnehmen können.Was das für den Autokauf jetzt bedeutet
Megawatt-Laden ist kein Grund, einen Kauf aufzuschieben. Entscheidend ist, welche DC-Spitzenleistung das Auto selbst aufnimmt und wie lange es sie hält. Ein Modell, das konstant 150 kW zieht, schlägt eines, das für 90 Sekunden auf 250 kW hochgeht und dann abfällt. Rechnen Sie zuerst nach. Unser Ladekostenrechner zeigt, was eine realistische Mischung aus Heim- und öffentlichem Laden pro Jahr kostet, und die Ladestationskarte zeigt, was entlang Ihrer üblichen Strecken liegt. Chery hat mehr Details zum Volt-Dragon-Rollout vor Ende 2026 versprochen. Solange kein kompatibles Auto auf der Straße ist und niemand Unabhängiges die Zeit gestoppt hat, bleiben die 6 Minuten 50 Sekunden eine Zahl von der Bühne.Source: https://www.electrive.com/2026/10/23/chery-launches-megawatt-charging-system-for-passenger-evs/