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Ihr Browser unterstützt das Audioelement nicht.Vom Gimmick zum echten Fahrwerkzeug
Als Hyundai den Ioniq 5 N 2023 auf den Markt brachte, sorgte die Funktion für virtuelle Gangwechsel für Aufsehen. Zieht der Fahrer an den Schaltwippen am Lenkrad, ahmt der elektrische Antriebsstrang das Verhalten eines Automatikgetriebes mit mehreren Gängen nach – mit einer kurzen Unterbrechung der Drehmomentabgabe, einem entsprechenden Anstieg des synthetischen Motorgeräuschs und dem Gefühl, dass ein Gang einrastet. Auf dem Papier klang das nach einem technischen Gimmick. In der Praxis stellten Fahrer fest, dass es dem ansonsten unerbittlich linearen Fahrerlebnis eine echte zusätzliche Ebene verlieh.
Die Funktion arbeitet, weil Elektromotoren die Drehmomentabgabe mit außergewöhnlicher Präzision und Geschwindigkeit variieren können. Die Ingenieure von Hyundai haben definierte „Übersetzungen“ programmiert – im Wesentlichen Drehmomentkennfelder –, zwischen denen das System wechselt, wenn der Fahrer über die Schaltwippen hoch- oder herunterschaltet. Das begleitende System N Active Sound+ gibt über die Lautsprecher synthetisierte Motorgeräusche synchron zu jedem Schaltvorgang wieder. Das Ergebnis ist ein Auto, das sich wie ein hochdrehender Verbrenner mit sportlichem Anspruch verhält, klingt und zu einem überraschend großen Grad auch anfühlt.
Was Hyundai als Nächstes ergänzt
Hyundais Entwicklungschef Manfred Harrer hat bestätigt, dass das Unternehmen aktiv daran arbeitet, die Simulation weiterzuentwickeln. Die nächste Version des Systems soll drei neue Dimensionen von Realismus hinzufügen:
- Simulierte Leerlaufgeräusche und Vibrationen – sie sollen das tieffrequente Brummen und die körperlich spürbaren Vibrationen eines Performance-Motors im Stand oder bei niedriger Geschwindigkeit nachbilden
- Schaltvibrationen – taktiles Feedback über Sitz oder Lenkrad, sobald ein virtueller Gangwechsel erfolgt
- Simulation von Fehlzündungen aus dem Auspuff – speziell nachgebildet anhand der Fehlzündungen, die leistungsstarke Verbrennungsmotoren im Schubbetrieb oder bei aggressiven Hochschaltvorgängen erzeugen
Der Fehlzündungseffekt ist eine besonders interessante Ergänzung. Bei einem sportlichen Benziner entsteht das charakteristische Knallen oder Krachen beim Gangwechsel, wenn unverbrannter Kraftstoff im Auspuff zündet – ein akustischer Nebeneffekt der Abstimmung auf maximale Leistung. In einem gut kalibrierten System ist das ausgesprochen befriedigend. Hyundai zielt bei seinen elektrischen N-Modellen offensichtlich auf dieselbe emotionale Reaktion. Die technische Herausforderung besteht darin, diesen Moment so umzusetzen, dass er natürlich und nicht inszeniert wirkt.
Harrer hat die konkreten technischen Methoden, mit denen Hyundai bei jedem simulierten Schaltvorgang Vibrationen in Sitz und Lenksäule erzeugen will, nicht offengelegt. In Premiumfahrzeugen sind in Sitze integrierte Aktuatoren und Lautsprecher jedoch eine etablierte Technik. Daher könnte sich das System ohne wesentliche zusätzliche Hardware umsetzen lassen.
Die IMA-Plattform: Eine neue Basis für emotionale Elektroautos
Der weiterentwickelte virtuelle Gangwechsel wird nicht einfach als Software-Update für bestehende Modelle ausgerollt. Hyundai hat stattdessen bestätigt, dass er ein Kernmerkmal der kommenden IMA-Plattform sein wird. Diese folgt auf die E-GMP-Architektur, die seit 2021 den Ioniq 5, den Ioniq 6 sowie verwandte Modelle von Kia und Genesis trägt.
Die IMA-Plattform behält die 800-Volt-Elektroarchitektur bei, die der E-GMP beim Schnellladen Wettbewerbsvorteile verschaffte, soll aber Verbesserungen bei Energiedichte, Ladegeschwindigkeit und Integration bringen. Sie wird die Hardware-Basis für die nächste Generation der Hyundai-N-Performance-Modelle bilden.
Ein Ioniq 5 der neuen Generation auf Basis der IMA-Plattform soll voraussichtlich um 2028 auf den Markt kommen. Hyundai hat sich allerdings noch nicht auf konkrete Starttermine festgelegt. Die N-Variante dürfte folgen und das verfeinerte Erlebnis virtueller Gangwechsel in einen deutlich überarbeiteten elektrischen Performance-Kompaktwagen bringen.
Porsche verfolgt einen ähnlichen Ansatz
Hyundai ist bei diesem Thema nicht allein. Porsche hat für das Modelljahr 2027 des Taycan eine vergleichbare Funktion namens E-Shift eingeführt. Sie bietet simulierte Gangwechsel und ein entsprechendes Sounddesign für Fahrer, die sich von ihrer elektrischen Sportlimousine ein analogeres Fahrgefühl wünschen. Die parallele Entwicklung bei zwei Unternehmen mit ausgeprägter Performance-Tradition deutet darauf hin, dass es sich nicht um einen vorübergehenden Trend handelt.
Die grundlegende Frage, mit der sich die Branche auseinandersetzt, lautet: Ist die emotionale Einbindung in ein Performance-Auto vor allem körperlicher und akustischer Natur – und damit simulierbar? Oder hängt sie vom grundlegenden Charakter des Antriebsstrangs ab? Fahrer, die Zeit mit dem bestehenden System des Ioniq 5 N verbracht haben, legen nahe, dass die Antwort differenzierter ausfällt, als Puristen erwarten dürften. Die Simulation funktioniert so gut, dass viele erfahrene Fahrer nach wenigen Minuten schlicht vergessen, dass sie künstlich erzeugt wird.
Warum das für den Markt elektrischer Performance-Modelle wichtig ist
Die wirtschaftliche Logik hinter dieser Technologie ist klar. Hyundais N-Abteilung hat sich eine treue Fangemeinde unter den Enthusiasten aufgebaut, denen Fahrspaß wichtiger ist als fast alles andere. Diese Käufer bevorzugten traditionell aufgeladene Motoren mit ausgeprägtem Charakter – ein gutes Beispiel ist der 2,0-Liter-Motor im i30 N. Ein elektrisches N-Modell, das zwar klinische Fahrleistungen bietet, aber taktiles und akustisches Feedback vermissen lässt, könnte ausgerechnet die Zielgruppe vor den Kopf stoßen, die das N-Emblem ansprechen soll.
Hyundai entwickelt ein System, das dieses Erlebnis überzeugend nachbildet, statt lediglich anzuerkennen, dass sich Elektroautos anders fahren. Damit setzt das Unternehmen darauf, dass sich die Loyalität der Enthusiasten auf die Elektromobilität übertragen lässt, ohne Kompromisse zu verlangen. Die Reaktionen auf den Ioniq 5 N deuten darauf hin, dass diese Rechnung aufgeht. Die anstehenden Verbesserungen, die in eine neue Plattform integriert werden, sind der nächste logische Schritt dieser Strategie.
Für europäische Käufer von Performance-Modellen, die zwischen einer elektrischen Zukunft und ihrer emotionalen Bindung an Verbrenner abwägen, ist diese Entwicklung wichtig. Sie zeigt, dass die Hersteller die Idee ernst nehmen, dass das Fahrerlebnis selbst – und nicht nur die Leistungsdaten – im Elektrozeitalter bewahrt und weiterentwickelt werden kann.
Was ist Hyundais virtueller Gangwechsel und welche Modelle verfügen darüber?
Hyundais virtueller Gangwechsel ist ein softwaregesteuertes System, das das Gefühl und den Klang von Gangwechseln in einem Elektroauto simuliert. Es wurde erstmals im Ioniq 5 N eingeführt und nutzt Schaltwippen am Lenkrad, um die Drehmomentabgabe anzupassen und über das System N Active Sound+ synthetische Motorgeräusche auszugeben. Die erweiterte Version wird in künftigen N-Modellen auf Basis der IMA-Plattform zum Einsatz kommen.
Wie funktioniert die Simulation von Fehlzündungen aus dem Auspuff in einem Elektroauto tatsächlich?
Statt durch echte Verbrennung entsteht der Effekt durch eine Kombination aus präzisen Änderungen der Drehmomentabgabe – sie ahmen die kurze Leistungsunterbrechung eines Verbrennungsmotors im Schubbetrieb nach – und einer exakt getakteten Audiowiedergabe über das Lautsprechersystem des Autos. Die Ingenieure von Hyundai orientieren sich bei den Klängen an echten Fehlzündungen leistungsstarker Motoren, damit der Effekt möglichst authentisch wirkt.
Wann kommen die neue IMA-Plattform und der verbesserte virtuelle Gangwechsel?
Die IMA-Plattform von Hyundai, die die aktuelle E-GMP-Architektur ersetzen wird, soll voraussichtlich den für etwa 2028 erwarteten Ioniq 5 der nächsten Generation tragen. Die N-Performance-Version mit dem verfeinerten virtuellen Gangwechsel – einschließlich zusätzlicher Leerlaufvibrationen, Schaltfeedback und Fehlzündungssimulation – wird auf dieser Plattform folgen. Die genauen Zeitpläne stehen jedoch noch nicht fest.
Quelle: https://www.electrive.com/2026/06/25/hyundai-refines-its-virtual-gearshift-for-electric-vehicles/