Der erste Winter mit einem Elektroauto wirft viele Fragen auf. Online findet man die unterschiedlichsten Meinungen – von Versprechen eines reibungslosen Betriebs bis zu Warnungen, E-Autos seien bei niedrigen Temperaturen unbrauchbar. Auf Basis meiner Erfahrungen mit dem MG ZS EV in den Wintermonaten kann ich eine objektive Einschätzung der tatsächlichen Lage geben.
Winterausflug ins Riesengebirge (Tschechien)
Über die Weihnachtsfeiertage reiste unsere Familie ins Riesengebirge in Tschechien. Die 150 km lange Fahrt von Prag verlief problemlos, selbst bei Temperaturen um -10 °C. Das Elektroauto bewältigte diese Strecke mühelos. Zudem konnten wir das Auto per App vor der Abfahrt vorheizen, sodass wir – anders als Halter konventioneller Autos – keine Scheiben freikratzen mussten.
Längere Strecken: Von Harrachov nach Opava (Tschechien)
Danach legten wir eine 300 km lange Strecke von Harrachov nach Opava in Tschechien zurück. Mit 93 % Ladung im Akku erreichten wir problemlos Rychnov nad Kněžnou, wo wir das Auto an einer Lidl-Station luden. Der Stopp dauerte eine Stunde und entsprach unserer Mittagspause. In Opava kamen wir mit genügend Restenergie an, sodass wir später mit reichlich Zeit nachladen konnten.
Autobahnverbrauch und die Auswirkungen der Winterbedingungen
Die 362 km lange Fahrt von Opava nach Prag, ebenfalls in Tschechien, verlief ähnlich. Bei Außentemperaturen um -3 °C stieg der Autobahnverbrauch von den üblichen 14–15 kWh auf 20 kWh pro 100 km. Der MG ZS EV ist nicht das effizienteste Elektroauto, bietet für seine Größe aber noch eine solide Effizienz. In Ostrava (Tschechien) luden wir während eines zweistündigen Stopps in einem Outlet-Center, was gut zu unseren Plänen passte. Ein anschließender Stopp in Litomyšl für Kaffee und Shopping lieferte genug Energie, um Neratovice entspannt zu erreichen.
Vor- und Nachteile des Winterbetriebs
Im Winter ist der Energieverbrauch höher, was zu steigenden Kosten pro Kilometer führt. In unserem Fall waren es etwa 1,6 CZK/km gegenüber rund 1 CZK/km im Sommer. Ein entscheidender Faktor sind die Ladekosten, die je nach Anbieter stark schwanken. Während ČEZ bis zu 18 CZK/kWh verlangt, bieten Lidl- und E.On-Stationen Preise um 10–12,5 CZK/kWh und sind damit deutlich günstiger.
Probleme mit Ladestationen
In der Vergangenheit hatten wir an ČEZ-Ladestationen kleinere Probleme, etwa Schwierigkeiten beim Starten einer Ladesitzung oder eine reduzierte Ladeleistung. Lidl-, E.On- und Tesla-Stationen funktionierten dagegen immer zuverlässig und mit voller Leistung. Zudem erlebten wir an ČEZ-Stationen mitunter deutlich niedrigere Ladeleistungen, selbst an Schnellladern. Dieses Problem trat auch in Harrachov auf, trotz der hohen Kosten von 18 CZK pro kWh. Künftig wollen wir ČEZ-Stationen vor allem für langsames Laden nutzen. Tesla-, E.On- und Lidl-Stationen boten durchweg einen störungsfreien Service zu geringeren Kosten.
Fazit: E-Autos im Winter? Voll alltagstauglich
Der MG ZS EV hat sich als voll alltagstaugliches Fahrzeug für Familienfahrten im Winter erwiesen. Allerdings erfordert er etwas Planung, besonders bei längeren Fahrten. Höherer Energieverbrauch und höhere Kosten im Winter sind Realität, doch Vorteile wie der Komfort des Vorheizens und der umweltfreundliche Betrieb wiegen diese Nachteile auf. Elektroautos sind vielleicht nicht für jeden etwas, doch für alle, die bereit sind, ihre Gewohnheiten anzupassen, bieten sie selbst unter winterlichen Bedingungen eine ausgezeichnete Alternative. So wie Online-Shopping Zeit brauchte, um sich durchzusetzen, brauchen Fahrende möglicherweise Zeit, um sich an die Elektromobilität zu gewöhnen. Mit günstigeren Angeboten könnten viele ein Elektroauto finden, das zu ihren Bedürfnissen passt.
Quelle: EVmagazin.cz