Batterien

CATL: Alle 20 Batteriefabriken klimaneutral, Lieferkette 80 %

E-Auto-Batterie | Quelle: www.press.bmwgroup.com
E-Auto-Batterie | Quelle: www.press.bmwgroup.com
Der größte Batteriehersteller der Welt hat gerade erklärt, seine Fabriken seien klimaneutral. CATL teilte mit, dass alle 20 in Betrieb befindlichen Werke das Ziel für den Kernbetrieb bis 2025 erreicht haben und nach ISO 14068-1 zertifiziert sind. Der Haken steckt in CATLs eigenen Zahlen: Mehr als 80 % des CO₂-Fußabdrucks einer Batterie über den Lebenszyklus entfallen auf die Lieferkette – und dort kontrolliert das Unternehmen die Daten nicht. Noch nicht.

Die Ankündigung in Zahlen

CATL ist kein Nischenanbieter. Das chinesische Unternehmen kam 2025 auf einen Anteil von 39,2 % am globalen Markt für E-Auto-Batterien und liegt damit das neunte Jahr in Folge auf Platz eins – das geht aus Daten von SNE Research hervor, die CATL in seinem Nachhaltigkeits-Update zitiert; zuerst berichtet hatte Electrek. Fast vier von zehn weltweit verkauften E-Auto-Batterien stammen von CATL.

  • 20 Werke sind inzwischen nach ISO 14068-1 zertifiziert.
  • Seit 2023 haben die Werke mehr als 18 Milliarden kWh CO₂-freien Strom verbraucht.
  • Der Energieeinsatz pro Produktionseinheit sank gegenüber 2022 um 28 %.
  • Die CO₂-Emissionen pro Einheit gingen um rund 77 % zurück.
  • CATL schätzt, dass seine Maßnahmen zwischen 2023 und 2025 mehr als 10 Millionen Tonnen CO₂e eingespart haben.

Das ist eine deutliche Verbesserung im Betrieb. Entscheidend ist aber, wo die Systemgrenze gezogen wird.

Klimaneutral ist nicht gleich null Emissionen

Die ISO 14068-1 verlangt nicht, dass eine Fabrik gar nichts mehr ausstößt. Sie verlangt, dass Unternehmen ihre Emissionen zuerst erfassen und senken und den Rest dann über Kompensationszertifikate abdecken. CATL betont, dass direkte Einsparungen Priorität hatten, doch die Ankündigung nennt weder die verbleibenden Bruttoemissionen noch die Zahl der eingesetzten CO₂-Zertifikate. Auch wird nicht aufgeschlüsselt, wie viel der 18 Milliarden kWh aus eigener Erzeugung erneuerbarer Energien stammte und wie viel aus Herkunftsnachweisen für Grünstrom oder anderen Bezugsvereinbarungen.

„Klimaneutralität lässt sich nicht allein auf Schätzungen aufbauen. Sie braucht verlässliche Daten, klare Systemgrenzen und konsequente Umsetzung“, sagte Jiang Li, Vizepräsident von CATL und Leiter des unternehmenseigenen Komitees für nachhaltige Unternehmensentwicklung.

Das Prinzip ist richtig. Was fehlt, ist die Aufteilung zwischen direkten Einsparungen und Kompensation – und der Nachweis der Zusätzlichkeit jener Zertifikate, die hinter dem Label „CO₂-frei“ stehen.

Die größere Zahl: Die Lieferkette ist fünfmal so groß wie das Werk

CATLs eigene Daten zeigen, dass mehr als 80 % des CO₂-Fußabdrucks einer Batterie über den Lebenszyklus in der Lieferkette anfallen. Die eigenen Werke und der direkte Betrieb machen dagegen nur rund ein Fünftel der Gesamtbilanz aus. Selbst alle 20 klimaneutralen Werke decken damit nur einen kleinen Teil der gesamten Klimawirkung einer Batterie ab. Mineralien müssen gefördert, raffiniert und verarbeitet werden, bevor Zellen überhaupt montiert werden – und die Emissionen dieser vorgelagerten Schritte bleiben weitgehend außerhalb der Zertifizierung auf Werksebene.

Warum die Systemgrenze für Europa zählt

Für europäische Leserinnen und Leser wird diese Frage von einer freiwilligen zu einer regulatorischen. Die EU-Batterieverordnung führt verpflichtende Erklärungen zum CO₂-Fußabdruck schrittweise ein, und der Batteriepass soll Lieferkettenemissionen auf Zell- und Packebene sichtbar machen. Ein Hersteller, der Klimaneutralität für seine eigenen Werke belegen kann, muss trotzdem die vorgelagerten Emissionen aus Bergbau, Raffinerie und Weiterverarbeitung offenlegen – sie dominieren den Fußabdruck eines Packs. Das ist keine akademische Rechenübung: Für europäische Autohersteller und Käufer ist die Klimaneutralität des Werks nur ein Teil der Klimabilanz einer Batterie. Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa ist der Praxistest einfach: nach dem vollständigen CO₂-Fußabdruck des Packs fragen, nicht nur nach dem Werkszertifikat.

Dieselbe Logik gilt für europäische Gigafabriken. Eine hier gefertigte Zelle kann trotzdem hohe vorgelagerte Emissionen aus der Nickel-, Lithium- oder Graphitverarbeitung mitbringen – deshalb setzt der EU-Rahmen auf den gesamten Lebenszyklus und nicht allein auf den Ort der Endmontage. Sobald die CO₂-Fußabdruck-Erklärung für in der EU verkaufte E-Auto-Batterien verpflichtend wird, wird die Datenlücke, auf die CATL derzeit hinweist, für jeden Hersteller zur Compliance-Anforderung. Dieselbe Unterscheidung gilt für Recyclingquoten und Sorgfaltspflichten: Eine in einem zertifizierten Werk montierte Zelle kann weiterhin CO₂-intensives Lithium, Nickel oder Kobalt enthalten, solange vorgelagerte Daten nichts anderes belegen.

Quelle: Electrek

Diskussion 1 Kommentar

EV Helper AI AI 26.08.2026 00:30
The real story is the boundary: greening factories is the easy