MG ZS EV: zwei Generationen, zwei sehr unterschiedliche Autos
MG gehört zum chinesischen Konzern SAIC Motor – einem der größten E-Auto-Hersteller der Welt – und vermarktet sich in Europa aggressiv über den Preis. Der ZS EV ist ein kompakter SUV mit 4.323 mm Länge und 2.581 mm Radstand, der im B-SUV-Segment neben dem Opel Mokka Electric und dem Peugeot e-2008 antritt. Der Kofferraum fasst 470 Liter – mehr als beim Hyundai Kona Electric und auf Augenhöhe mit dem Kia Niro EV. Das ist eine echte Familienauto-Zahl.
Die erste Generation kam 2019 mit einer 44,5 kWh-Batterie, einem 105 kW starken Frontmotor und einer WLTP-Reichweite von nur 263 km. 2022 wurde das Auto beim Facelift umfassend überarbeitet – neues Frontdesign, ein deutlich aufgewertetes Infotainmentsystem und vor allem ein ordentliches Update des Antriebs. Schauen wir uns an, was sich geändert hat.
| Parameter | MG ZS EV (2019–2021) | MG ZS EV Facelift (2022+) |
|---|---|---|
| Antrieb | Frontantrieb | Frontantrieb |
| Max. Leistung | 105 kW (143 PS) | 130 kW (177 PS) |
| Drehmoment | 353 Nm | 280 Nm |
| Batterie | 44,5 kWh (NMC) | 51 kWh / 72 kWh (NMC) |
| Reichweite (WLTP) | 263 km | 320 km / 440 km |
| DC-Laden (max.) | 50 kW | bis zu 94 kW |
| AC-Laden (max.) | 7 kW (einphasig) | 11 kW (dreiphasig) |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 8,5 s | 8,2 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 175 km/h | 175 km/h |
| Gewicht | 1.502 kg | 1.620 kg |
| Werksgarantie | 7 Jahre / 150.000 km | 7 Jahre / 150.000 km |
| Ca. Gebrauchtpreis | 12.000–17.000 € | ab 19.000 € (SR) / ab 23.000 € (LR) |
Laden: Hier trennen sich die beiden Autos komplett
Die größte Schwäche des ZS EV der ersten Generation? Langsames Laden. Maximal 50 kW an einem DC-Schnelllader wirken heute archaisch – von 10 auf 80 % dauert rund 45–50 Minuten. Schlimmer noch: Der Onboard-Lader leistet nur 7 kW einphasig. Selbst mit einer 11-kW-Wallbox zu Hause zieht der alte MG nur sieben. Eine Vollladung von null dauert über 6 Stunden – über Nacht in Ordnung, aber quälend langsam, wenn tagsüber nachgeladen werden muss.
Das Facelift hat das behoben. Serienmäßig an Bord ist nun ein dreiphasiger 11-kW-Lader, beim DC-Schnellladen ging es auf 94 kW hoch. In der Praxis heißt das 10 bis 80 % in rund 30–35 Minuten bei der Long-Range-Version. Der Unterschied ist wie Tag und Nacht – aus einem Auto, auf das man früher bei jedem zweiten Ladestopp gewartet hat, wird ein vollwertiger Langstreckenbegleiter.
Der Ladeanschluss liegt bei beiden Generationen hinter dem vorderen Grill, unter dem MG-Logo. Das ist eine saubere Designlösung, bedeutet aber, dass Sie an den meisten Ladestationen vorwärts einparken müssen. Der Vorteil der zentralen Position an der Front: Der ZS EV blockiert an Tesla-Superchargern nie eine zweite Säule – ein praktischer Vorteil, wenn Sie das zunehmend geöffnete Supercharger-Netz in Europa nutzen.
Reichweite: 263 vs. 440 km – eine ganze Fahrt Unterschied
Das Auto der ersten Generation verspricht mit seiner 44,5-kWh-Batterie 263 km nach WLTP. Im Alltag sind 200–230 km im Sommer und 140–170 km im Winter auf der Autobahn realistisch. Eine Fahrt von München nach Berlin (rund 600 km) würde mindestens zwei – möglicherweise drei – Ladestopps erfordern.
Das Facelift als Long Range mit 72-kWh-Batterie kommt auf einen WLTP-Wert von 440 km. Realistisch sind 350–380 km im Sommer und rund 260–300 km im Winter. Die Standard-Range-Version des Facelifts (51 kWh) liegt mit 320 km WLTP dazwischen, was etwa 250 km realer Sommerreichweite entspricht. Wer regelmäßig zwischen europäischen Metropolen unterwegs ist, greift klar zur Long-Range-Version.
Und der Verbrauch? Nach Tests von Carwow, Parkers und unseren eigenen Erfahrungen liegt der ZS EV im Mix bei 16–19 kWh/100 km. Auf der Autobahn bei 130 km/h sind 20–22 kWh fällig; im Stadtverkehr kann er unter 15 kWh fallen.
Was Besitzer loben
In Besitzerforen und Langzeittests aus Großbritannien, Norwegen und den Niederlanden tauchen vier positive Punkte immer wieder auf:
Preis-Leistungs-Verhältnis. Als der ZS EV für rund 30.000 € vor Förderung auf den Markt kam, bot er mehr Innenraum als ein Nissan Leaf und eine deutlich modernere E-Plattform als ein gebrauchter Renault Zoe zum vergleichbaren Preis. Heute beginnen gebrauchte Exemplare bei rund 12.000 € – ein Preisniveau, auf dem sonst kaum etwas diese Kombination aus Platz, Reichweite und Restgarantie bietet.
Platz und Alltagstauglichkeit. Der 470-Liter-Kofferraum liegt über dem Durchschnitt des B-SUV-Segments. Die Kniefreiheit hinten ist ordentlich, und obwohl das Batteriepaket den Boden leicht anhebt, passen zwei Kindersitze ohne Probleme hinein. Für eine vierköpfige Familie ist das ein voll taugliches Auto – kein eingeschränkter Stadtflitzer.
Komfortables Fahrverhalten. Der MG ZS EV ist kein Sportwagen und tut auch nicht so. Die Federung ist weich abgestimmt, die Lenkung leicht und präzise, und auf Autobahn und Landstraße fährt er sich entspannt. Bei hohem Tempo sind die Reifengeräusche deutlich hörbar, ansonsten bleibt die Kabine leise – auch bei älteren Exemplaren.
Sieben Jahre Garantie. MG gewährt eine Werksgarantie von 7 Jahren oder 150.000 km, die auf nachfolgende Halter übergeht. Viele gebrauchte ZS EV auf dem Markt sind daher noch abgedeckt – ein wichtiger Faktor fürs gute Gefühl beim Kauf eines Gebrauchten von einer relativ jungen Marke.
Worauf Sie achten sollten: häufige Probleme
Recherchen in Besitzerforen und Tests – darunter Daten von Carwow und Parkers – zeigen mehrere wiederkehrende Themen:
Infotainment bei frühen Fahrzeugen. Das Vor-Facelift hat ein 8-Zoll-Display mit träger Reaktion und einer älteren Version des iSmart-Systems. Apple CarPlay und Android Auto gibt es nur per Kabel, und das System friert gelegentlich ein. Das Facelift bekam einen 10,1-Zoll-Bildschirm mit spürbar schnellerer Grafik und drahtlosem Smartphone-Spiegeln – der Unterschied ist erheblich.
Hartplastik im Innenraum. MG hat beim Material gespart. Armaturenbrett und Türverkleidungen bestehen aus Hartplastik, das nach einigen Jahren knarzen kann. Das hindert das Auto nicht am Fahren, aber Premium-Anmutung sollten Sie nicht erwarten. Das Facelift brachte mit Kunstlederbezügen eine Verbesserung, die darunterliegenden Materialien blieben jedoch gleich.
Oberflächenkorrosion. Bei frühen Produktionsfahrzeugen (2019–2020) gab es Beschwerden über Oberflächenrost an Unterbodenkomponenten und der Auspuffabdeckung – meist ein kosmetisches Thema, nicht ein strukturelles. Der Korrosionsschutz insgesamt ist für dieses Preissegment durchschnittlich. Prüfen Sie vor dem Kauf den Unterboden.
Fehlende Ausstattung. Keine der beiden Generationen unterstützt Over-the-Air-Software-Updates (OTA) – jedes Firmware-Upgrade erfordert einen Werkstattbesuch. Eine elektrische Heckklappe fehlt komplett; die Heckklappe ist schwer, was besonders für kleinere Fahrerinnen und Fahrer relevant ist. Eine Batterievorheizung gibt es beim Facelift, sie muss aber manuell aktiviert werden – anders als die automatische Vorkonditionierung bei teureren E-Autos.
Wie er sich gegen die Konkurrenz schlägt
Wer in einem ähnlichen Budget nach einem gebrauchten E-Auto sucht, hat beim ZS EV vor allem diese Alternativen:
Hyundai Kona Electric (gebraucht ab 16.000 €): Mehr Reichweite (bis zu 484 km WLTP mit der 64-kWh-Version), besserer Verbrauch, dafür ein kleinerer Kofferraum (332 Liter) und engere Rücksitze. DC-Laden bis 100 kW in neueren Versionen. Subjektiv fährt er sich dynamischer.
Nissan Leaf (gebraucht ab 10.000 €): Die günstigste Einstiegsmöglichkeit in die Elektromobilität, aber mit Kompromissen – CHAdeMO-Schnellladen wird in Europa zunehmend aufgegeben, und die passiv gekühlte Batterie altert schneller. Die Reichweite reicht je nach Version von 270–385 km WLTP. Eher für den Stadtverkehr geeignet als für weite Strecken.
VW ID.3 (gebraucht ab 20.000 €): Eine modernere Plattform, überlegene Fahrdynamik und bis zu 550 km WLTP im Pro S. Doch für den Preis eines gebrauchten ID.3 bekommen Sie einen Facelift-MG ZS EV Long Range mit mehr Ausstattung und größerem Kofferraum.
Renault Zoe (gebraucht ab 11.000 €): Ein Stadt-Spezialist – kleiner, wendiger, bis zu 395 km WLTP. Für eine Familie ist er aber eng: 338-Liter-Kofferraum und beengte Rücksitze. Die AC-Ladeleistung von 22 kW ist eine echte Stärke für alle, die an öffentlichen AC-Punkten laden.
Unser Fazit: Welchen sollten Sie kaufen?
Wenn Ihr Budget mit 12.000–15.000 € knapp ist und Sie überwiegend in der Stadt und im Umland unterwegs sind, ergibt der MG ZS EV der ersten Generation weiterhin Sinn. Für dieses Geld bekommen Sie ein geräumiges Familien-E-Auto, das womöglich noch Garantie hat. Sie müssen langsames Laden, kürzere Reichweite und ein veraltetes Infotainmentsystem akzeptieren. Wer über Nacht zu Hause lädt und nur selten längere Fahrten unternimmt, kommt mit diesen Kompromissen gut zurecht.
Können Sie Ihr Budget aber um weitere 6.000–8.000 € aufstocken, greifen Sie zum Facelift mit der Long-Range-Batterie (72 kWh). Drei Gründe: Eine reale Reichweite deutlich über 350 km macht Fahrten über die Grenze machbar, der dreiphasige 11-kW-AC-Lader füllt den Akku über Nacht, und 94 kW DC-Ladeleistung verkürzen die Kaffeepause auf erträgliche eine halbe Stunde. Dazu das bessere Infotainment, das schärfere Außendesign und die deutlich höhere Alltagstauglichkeit – der Aufpreis zahlt sich durch weniger Ladefrust von selbst zurück.
Das mittlere Facelift mit Standard Range (51 kWh) ist ein Kompromiss, den wir nur schwer empfehlen können – der Preisabstand zur Long-Range-Version ist kleiner als der reale Nutzen der größeren Batterie.
Wie erkenne ich einen MG ZS EV vor dem Facelift im Vergleich zur überarbeiteten Version?
Am leichtesten unterscheidet man die Front. Das Vor-Facelift hat einen klassischen Kühlergrill mit mittig sitzendem MG-Logo – dahinter verbirgt sich der Ladeanschluss. Das Facelift von 2022 hat eine geschlossene, aerodynamische Frontblende (oft als „grillloser“ Entwurf bezeichnet), schmalere LED-Scheinwerfer, und das MG-Logo sitzt tiefer an der Nase. Der Ladeanschluss bleibt allerdings bei beiden Versionen hinter dem vorderen Logo-Bereich. Prüfen Sie außerdem den Infotainment-Bildschirm: 8 Zoll beim alten Auto, 10,1 Zoll beim Facelift.
Altert die Batterie des MG ZS EV schnell?
Die NMC-Batterie mit aktiver Flüssigkeitskühlung hält sich gut. Berichte von Besitzerinnen und Besitzern in Foren – vor allem in Großbritannien und Norwegen – deuten auf eine typische Degradation von 5–8 % nach 80.000–100.000 km hin, sodass über 90 % der ursprünglichen Kapazität erhalten bleiben. MGs Batteriegarantie gilt 7 Jahre oder 150.000 km mit einer garantierten Mindestkapazität von 70 %. Wir empfehlen dringend eine Batteriezustandsprüfung vor dem Kauf eines jeden gebrauchten E-Autos.
Hat der MG ZS EV eine Wärmepumpe?
Erst ab dem Facelift (2022+). Das Vor-Facelift nutzt resistive elektrische Heizung, die deutlich mehr Strom verbraucht und die Winterreichweite stärker schmälert. Beim Facelift gehört die Wärmepumpe zur Serienausstattung, in Gebrauchtwagenanzeigen wird sie aber manchmal nicht erwähnt. Rechnen Sie beim älteren Auto mit 20–25 % Reichweitenverlust im Winter, beim Facelift mit Wärmepumpe mit rund 15–18 %.