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Ihr Browser unterstützt das Audio-Element nicht.Eine Partnerschaft über zwei Generationen hinweg
Die Beziehung zwischen Stellantis – damals PSA Group – und Dongfeng Motor reicht bis ins Jahr 1992 zurück und ist damit eine der am längsten bestehenden chinesisch-ausländischen Automobilpartnerschaften überhaupt. Aus dieser Geschichte entstand DPCA (Dongfeng Peugeot Citroën Automobile Co., Ltd), das Joint Venture, das seit Jahrzehnten Peugeot- und Citroën-Fahrzeuge für den chinesischen Markt produziert. Doch in den vergangenen Jahren bekam DPCA denselben Gegenwind zu spüren, der auch andere traditionelle Joint Ventures in China getroffen hat: sinkende Marktanteile, während heimische Marken wie BYD und Geely bei der Elektrowende davonzogen.
Statt sich zurückzuziehen, legt Stellantis noch eine Schippe drauf. Die in dieser Woche zwischen Stellantis-CEO Antonio Filosa und Dongfeng-Group-Chairman Qing YANG unterzeichnete Vereinbarung macht aus dem Werk von DPCA in Wuhan, das bislang nur für China produzierte, einen globalen Fertigungsstandort. Die Gesamtinvestition: über 8 Milliarden chinesische Yuan, umgerechnet rund 1 Milliarde Euro, wobei Stellantis etwa 130 Millionen Euro beisteuert – eine vergleichsweise bescheidene Summe für ein Projekt dieser Größenordnung, dank günstiger Industriepolitik der Provinzregierung von Hubei und der Stadt Wuhan.
Vier neue Fahrzeuge, zwei ikonische Marken
Nach dem Deal wird das Werk von DPCA in Wuhan ab 2027 zunächst vier völlig neue New-Energy-Fahrzeuge produzieren. Zwei davon tragen den Peugeot-Löwen und basieren auf der neuesten Designsprache, die mit dem Peugeot Concept 6 und dem Peugeot Concept 8 vorgestellt wurde – beide wurden Ende April auf der 2026 Beijing International Auto Show enthüllt.
Der Concept 6 zeigt eine kühne Vision für eine neue Generation großer Limousinen – eine katzenhafte Silhouette, die Limousinen-Eleganz mit der Dynamik eines Shooting Brake verbindet. Der Concept 8 wiederum deutet Peugeots künftige Ambitionen im Segment der großen SUVs an, mit einem klaren, aerodynamischen Design, das Effizienz und Präsenz betont. Beide Konzepte sind unverkennbar Peugeot: emotional ausdrucksstark, geprägt von der markentypischen „feline“-Designsprache und unter dem Blech mit Dongfengs tiefer Expertise in intelligenter Elektroauto-Technologie ausgestattet.
Diese Peugeot-Modelle sind für den chinesischen Markt und für den Export bestimmt und bilden eine tragende Säule von Peugeots internationaler Wachstumsstrategie. Die Bedeutung lässt sich kaum überbewerten: In China gebaute Peugeot-Elektroautos werden auf Händlerhöfen weit über Asien hinaus konkurrieren.
Die Vereinbarung umfasst außerdem die Produktion von zwei Offroad-New-Energy-Fahrzeugen der Marke Jeep für globale Märkte, ebenfalls ab 2027. Jeeps Offroad-DNA – echte Geländefähigkeit, nicht nur Optik – trifft nun auf Dongfengs elektrische Antriebstechnik, was zu einer der interessanteren E-Auto-Offerten der späten 2020er werden könnte.
Was das für Stellantis in China bedeutet – und für Europa
Der Deal von Wuhan steht nicht für sich allein. Er ist Teil eines breiteren Geflechts von Allianzen zwischen Stellantis und chinesischen Partnern, das in den vergangenen drei Jahren still geknüpft wurde. Im Oktober 2023 investierte Stellantis 1,5 Milliarden Euro für einen Anteil von rund 20 % an Leapmotor, dem schnell wachsenden chinesischen E-Auto-Hersteller, der allein im April 2026 mit 71.387 Fahrzeugen einen Rekord aufstellte. Die Leapmotor-Partnerschaft hat bereits konkrete Ergebnisse gebracht – darunter ein neues Elektro-SUV mit Opel-Logo, das gemeinsam mit chinesischer Technologie entwickelt wird und Berichten zufolge für die Produktion im Jahr 2028 vorgesehen ist. Stellantis hat zudem mit FAWs Marke Hongqi über eine mögliche Nutzung des spanischen Werks in Zaragoza für die Europa-Produktion gesprochen.
Für europäische Leserinnen und Leser hat der Deal zwei Seiten. Einerseits zeigt er, dass ein großer europäischer Autohersteller in China noch eine Zukunft sieht – nicht als Juniorpartner, sondern als Akteur, der erstklassige Elektroautos auf chinesischem Boden für den weltweiten Vertrieb bauen kann. Andererseits bedeutet er, dass Peugeot- und Jeep-Elektroautos mit dem Etikett „Made in China“ schon bald in europäischen Ausstellungsräumen stehen könnten – ein weiterer Aspekt in einer ohnehin komplexen Debatte darüber, woher Europas Autos kommen.
Die daneben unterzeichnete unverbindliche strategische Absichtserklärung (MoU) deutet auf eine noch engere Zusammenarbeit hin: Beide Seiten wollen ihre gemeinsame Größe, ihre F&E-Kapazitäten und ihre industrielle Expertise nutzen.
Eine pragmatische Wette in einer sich verschiebenden Landschaft
Die Marktdurchdringung von NEVs in China erreichte im April 2026 mit historischen 61,4 % einen Höchststand, während die Verkäufe von Verbrennern in einem Tempo einbrachen, das kaum jemand vorhergesagt hatte. Für jeden globalen Autohersteller erfordert eine glaubwürdige China-Strategie heute eine glaubwürdige E-Auto-Strategie – und der Ansatz von Stellantis, seine ikonischen europäischen Marken mit Dongfengs hauseigener E-Auto-Technologie zu kombinieren, ist zumindest konkreter, als darauf zu hoffen, dass ein Logo aus der Verbrenner-Ära allein den Tag rettet.
Der Deal steht noch unter dem Vorbehalt endgültiger Umsetzungsvereinbarungen, wirtschaftlicher und operativer Bedingungen sowie der üblichen regulatorischen Genehmigungen. Doch wenn der Zeitplan hält, werden die ersten Früchte dieser erneuerten 34-jährigen Allianz innerhalb von 18 Monaten vom Band in Wuhan laufen. Bis dahin wird sich die globale E-Auto-Landschaft erneut verschoben haben – und Stellantis wettet darauf, dass diese Partnerschaft das Unternehmen auf der richtigen Seite dieser Verschiebung hält.
Was ist DPCA und warum ist dieser Deal wichtig?
DPCA (Dongfeng Peugeot Citroën Automobile Co., Ltd) ist das seit 1992 bestehende Joint Venture zwischen Stellantis und der Dongfeng Motor Group. Der Deal macht daraus einen globalen Exportstandort für Elektroautos von Peugeot und Jeep, unterstützt durch Investitionen von über 1 Milliarde Euro.
Wann sind die neuen Elektroautos von Peugeot und Jeep verfügbar?
Die Produktion soll 2027 im DPCA-Werk in Wuhan, China, anlaufen. Der Zeitplan hängt vom Abschluss der Umsetzungsvereinbarungen und den regulatorischen Genehmigungen ab. Die Peugeot-Modelle sind sowohl für den chinesischen Heimatmarkt als auch für Exportmärkte bestimmt, während die Jeep-Offroad-NEVs vor allem für den globalen Export gedacht sind.
Sind diese Fahrzeuge mit der Partnerschaft zwischen Leapmotor und Stellantis verbunden?
Nicht direkt. Die Partnerschaft zwischen Leapmotor und Stellantis ist eine separate Allianz (Stellantis hält rund 20 % an Leapmotor), die sich auf die gemeinsame Entwicklung bezahlbarer Elektroautos konzentriert, darunter ein geplantes Opel-Modell. Der Dongfeng-Deal ist eine eigenständige strategische Vereinbarung, auch wenn beide die übergreifende Strategie von Stellantis widerspiegeln, die Verbindungen zu chinesischen Automobil- und Technologieunternehmen zu vertiefen.