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Zölle bis 35 % auf China-E-Autos: UK will EU-Marktzugang sichern

Reihen neu importierter Chery-Fahrzeuge am Kai von Teesport, nach dem Entladen von einem Autotransporter. KI-generierte Illustration.
Reihen neu importierter Chery-Fahrzeuge am Kai von Teesport, nach dem Entladen von einem Autotransporter. KI-generierte Illustration.
Großbritannien hat keine Zölle auf chinesische Elektroautos erhoben. Laut Berichten bereitet es sie vor. The Times berichtete am 4. Oktober, dass in London ein Paket möglicher Abgaben ausgearbeitet wird; Reuters folgte am nächsten Tag. Der Grund ist weniger der Schutz britischer Autofabriken als vielmehr die EU. Brüssel baut ein System „Made in Europe“ auf, und das Vereinigte Königreich will dabei sein.

Was London laut Berichten vorbereitet

Laut The Times arbeitet Jonathan Reynolds, Wirtschaftsstaatssekretär im Schatzministerium (Economic Secretary to the Treasury), an einer Reihe von Zöllen auf chinesische Fahrzeugimporte. Reuters berichtet unter Berufung auf dieselben Informationen, die Sorge gelte subventionierten Fahrzeugen, die zu Dumpingpreisen nach Großbritannien gelangen. Bislang wurde keine Abgabe eingeführt.

Ein Regierungssprecher sagte gegenüber Reuters: „Wir stehen weiterhin in engem Austausch mit der Industrie, damit unser Vorgehen den Interessen der Branche und des Vereinigten Königreichs entspricht.“ Ein Zeitplan wurde nicht genannt.

Die bereits geltenden EU-Zölle

Die Europäische Union erhebt seit Ende Oktober 2024 Ausgleichszölle auf batterieelektrische Personenkraftwagen aus China. Sie kommen zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 % hinzu, und der Satz richtet sich nach dem Hersteller: zwischen 7,8 % und 35,3 %. Den niedrigsten Satz erhielten die in China gebauten Fahrzeuge von Tesla. SAIC, Eigentümer von MG, bekam den höchsten.

Europäische Käufer leben also seit zwei Jahren damit. Ein in China gebautes Elektroauto, das in Prag oder Berlin über den Preis konkurriert, trägt die Zusatzkosten bereits mit sich. In Großbritannien ist das nicht so – genau diese Lücke will die EU schließen.

Chinesische Marken bei 16 Prozent der britischen Neuzulassungen

Ende September berichtete electrive, dass chinesische Hersteller einen Anteil von 16 % an den Neuzulassungen in Großbritannien halten – über alle Antriebsarten hinweg, nicht nur bei Elektroautos. Diese Zahl erklärt das politische Gewicht der Debatte. Sie erklärt auch, warum britische Händler wegen einer plötzlichen Regeländerung nervös sind.

Warum die EU-Verbindung zählt

Die EU arbeitet an ihrem Industrial Accelerator Act, der europäisch hergestellte Produkte in Förderprogrammen, bei öffentlichen Aufträgen und anderen industriepolitischen Instrumenten bevorzugen soll. Der Mechanismus beruht auf lokaler Wertschöpfung und auf den Bezeichnungen „Made in Europe“ und „Made in EU“.

Die britische Autoindustrie ist eng mit der europäischen verbunden. Der britische Branchenverband SMMT hat gerade eine Analyse von Oxford Economics veröffentlicht, nach der die britische Fahrzeugproduktion jährlich 24 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung, 250.000 Arbeitsplätze und 1,6 Milliarden Euro Steuereinnahmen in der EU stützt. Für diese Industrie ist es wichtiger, unter den neuen Regeln als Partnerland behandelt zu werden, als eine einzelne Zollposition.

Die Bemühungen, diese europäische Zulieferbasis aufzubauen, sind bereits sichtbar. BMW hat kürzlich in Bayern ein Werk für 1 Milliarde Euro eröffnet, um Batteriepakete mit 108,7 kWh für den neuen i3 zu fertigen. Genau solche lokale Wertschöpfung sollen die Made-in-Europe-Kriterien belohnen.

Was ein Zoll mit dem Endpreis macht

Nehmen wir ein in China gebautes Elektroauto mit einem Wert vor Zoll von 25.000 £. Heute zahlt es den regulären Satz von 10 %, also 2.500 £. Würde Großbritannien den EU-Höchstsatz übernehmen, läge der Gesamtzoll bei 45,3 %, also 11.325 £. Der Unterschied beträgt 8.825 £ pro Fahrzeug vor Mehrwertsteuer.

Die britische Mehrwertsteuer von 20 % wird auf den zollinkludierten Wert erhoben, die Lücke im Endpreis wäre also noch größer – rund 10.600 £, wenn der gesamte Betrag weitergegeben würde. Das ist eine Rechnung auf Grundlage veröffentlichter Sätze, keine Prognose für ein bestimmtes Modell. Die EU legt ihre Sätze pro Hersteller fest, und ein britisches System könnte anders aufgebaut sein.

Die Preislücke, die Zölle adressieren sollen, ist real. Wir haben zuvor berichtet, dass VWs Marke Jetta ihre erste Elektro-Limousine in China für 10.600 Euro anbietet. Kein in Europa gebautes Auto erreicht diesen Wert.

Was Sie beim Kauf prüfen sollten

Für Käufer in Großbritannien hat sich bis heute nichts geändert. Wer dort ein E-Auto einer chinesischen Marke sucht, sollte vor der Unterschrift zwei Punkte klären. Erstens: Wo wird das Fahrzeug tatsächlich gebaut? Prüfen Sie das Herstellungsland in der Übereinstimmungsbescheinigung, statt es aus dem Markenlogo abzuleiten, denn ein Werk in Ungarn oder Spanien nimmt ein Auto aus der Kategorie chinesischer Herkunft heraus. Zweitens: der Liefertermin. Ein Zoll, der zwischen Bestellung und Auslieferung eingeführt wird, landet in der Regel auf der Rechnung.

Unser E-Auto-Katalog listet die in Europa erhältlichen Modelle mit Preisen und technischen Daten, und der E-Auto-Sparrechner zeigt, was ein Fahrzeug im Betrieb kostet, wenn der Kaufpreis bekannt ist.

Die britische Regierung hat bislang nichts eingeführt, und ihr Sprecher nannte gegenüber Reuters kein Datum für eine Entscheidung.

Gelten die EU-Zölle für jede chinesische Marke mit demselben Satz?

Nein. Die EU legt einen Satz pro Hersteller fest, von 7,8 % bis 35,3 % zusätzlich zum regulären Zoll von 10 %. Die in China gebauten Fahrzeuge von Tesla erhielten den niedrigsten Satz, SAIC den höchsten. Ein britisches System könnte derselben Logik folgen oder einen Einheitssatz verwenden.

Zahlt eine chinesische Marke, die in Europa Autos baut, trotzdem den Zoll?

Nicht für diese Fahrzeuge. Die EU-Zölle erfassen Fahrzeuge, die in China produziert werden. Ein Auto, das in einem europäischen Werk montiert wird, fällt nicht darunter – genau deshalb stellen die Made-in-Europe-Regeln darauf ab, wo produziert wird, und nicht darauf, wem die Marke gehört.

Quelle: https://www.electrive.com/2026/10/05/uk-apparently-considering-special-tariffs-on-chinese-evs/

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