Zwölf Säulen in Illinois
Der Standort liegt auf einem Grundstück des Immobilienunternehmens Regency Centers, das bereits früher mit EVgo im Bereich Laden zusammengearbeitet hat. Bei den Säulen handelt es sich um Tesla-V4-Einheiten, die über Teslas Programm „Supercharger for Business“ gekauft wurden und in der EVgo-App als „EVgo Superchargers“ erscheinen. EVgo hatte das Programm im August 2026 angekündigt und damals erklärt, einzelne Standorte könnten bis zu 20 Ladepunkte erreichen. Der erste kommt auf zwölf.
Die Eigentumsfrage entscheidet über den Tarif. EVgo besitzt und betreibt die Hardware, deshalb müssen diese Säulen nicht denselben Preis haben wie ein Tesla-eigener Standort wenige Kilometer entfernt. Tesla-Fahrzeuge sehen den Standort in der Navigation im Fahrzeug und im Trip Planner – so, wie dort seit Anfang September auch reguläre EVgo-Stationen mit NACS-Anschlüssen auftauchen, vorausgesetzt, das Laden bei Drittanbietern ist im Auto aktiviert.
Was die V4-Säulen leisten können
Tesla nennt bis zu 500 kW pro Säule und bis zu 1.000 V. Das sind Obergrenzen des Schranks, kein Versprechen an das Auto. Ein 400-V-Akku kann eine 1.000-V-Architektur nicht nutzen, und die meisten aktuellen Modelle erreichen ohnehin Spitzenwerte deutlich unter 500 kW. Zwölf Säulen mit 500 kW ergeben rechnerisch 6 MW Standortleistung – was kein realistischer Netzanschluss neben einem Supermarkt liefert. Zu erwarten sind geteilte Leistung und ein Abfall ab etwa 60 bis 80 % Ladezustand, wie an jedem anderen Schnellladestandort.
Die praktische Arbeit erledigt der Magic Dock. Er ermöglicht sowohl NACS- als auch CCS-Fahrzeugen das Laden, ohne einen eigenen Adapter mitzuführen, und die längeren V4-Kabel helfen bei den ungünstigen Anschlusspositionen, die manche Modelle noch haben. In Europa ist das ein kleineres Problem, denn dort bieten Tesla-Standorte CCS2-Stecker an, seit das Netz für andere Marken geöffnet wurde.
NACS-Anschlüsse im gesamten Netz
Bis Ende 2026 will EVgo landesweit 500 NACS-Ladepunkte haben. Innerhalb von zwei Jahren soll jeder EVgo-Standort, der 2023 oder später gebaut wurde, mindestens einen NACS-Anschluss besitzen. Die von Tesla gebauten Säulen sollen diese eigene Arbeit ergänzen, nicht ersetzen. Wie viele weitere Supercharger-Standorte folgen und wann, hat EVgo nicht veröffentlicht.
Preise und wie man sie vergleicht
EVgo legt den Tarif am Standort Chicago fest und hat in der Ankündigung keinen Preis pro kWh genannt. Ohne Zahl gibt es nichts zu vergleichen – deshalb führt unsere Supercharger-Datenbank 483 europäische Standorte mit dem jeweils erfassten Preis, die günstigsten stehen auf einer eigenen Seite. Die Rechnung ist einfach und gnadenlos: Ein Auto mit 20 kWh/100 km zahlt bei 0,50 €/kWh 10 € pro 100 km, bei 0,39 €/kWh sind es 7,80 €. Unser Ladekostenrechner rechnet das für Ihren eigenen Verbrauch und Tarif durch.
Der Zugang zählt nur, wenn das Guthaben dahinter nutzbar ist. Wir haben bereits berichtet, dass BMW US-Käufern von i5, i7 und iX3 $500 Guthaben für öffentliches Laden gibt; entscheidend ist, ob ein Auto die betreffenden Netze tatsächlich erreicht – davon hängt ab, ob solche Angebote etwas wert sind.
Die europäische Variante desselben Problems
Die Steckerfrage ist in Europa weitgehend geklärt. Die Bezahlfrage nicht. Seit dem 13. April 2024 müssen neue öffentliche Schnellladepunkte über 50 kW in der EU nach AFIR das Ad-hoc-Zahlen mit Karte akzeptieren, ohne App und ohne Abo. Der Ausbau ist der langsamere Teil: Wir haben uns Irlands 280-MW-Ladenetz für 2028 angesehen, das unter der AFIR-Messlatte liegt. Ein einzelner Standort mit zwölf Säulen in Illinois würde diese Zahl auch nicht wesentlich bewegen.
Was Fahrerinnen und Fahrer daraus mitnehmen sollten
Drei praktische Punkte. Erstens: Prüfen Sie den Anschlusstyp, bevor Sie eine Route planen, denn eine NACS-Säule ist an Drittanbieter-Standorten noch nicht garantiert. Zweitens: Lesen Sie 500 kW nicht als Ladegeschwindigkeit Ihres Autos – die gibt die Ladekurve des Fahrzeugs vor. Drittens: Vergleichen Sie Tarife pro kWh statt pro Minute, denn ein langsames Auto an einer schnellen Säule ist die teuerste Kombination, die es gibt.
Für europäische Fahrerinnen und Fahrer bleibt die Preiskarte die nützlichere Referenz als die Eröffnung in Chicago. Unser Reichweitenrechner und das Reichweiten-Tool auf Basis von Bjørn Nylands Messungen beantworten die andere Hälfte der Frage: Wie weit kommt ein bestimmtes Auto tatsächlich zwischen zwei Stopps? EVgo hat seinerseits den ersten Standort und das Ziel von 500 NACS-Punkten bestätigt und den weiteren Zeitplan offengelassen.
Quelle: https://www.electrive.com/2026/11/06/evgo-integrates-first-tesla-superchargers-into-its-network/