Batterien

Quehenberger wächst bis Ende 2026 von 13 auf 24 Elektro-Lkw

E-Auto-Batterie | Quelle: www.press.bmwgroup.com
E-Auto-Batterie | Quelle: www.press.bmwgroup.com
Quehenberger Logistics will das Jahr 2026 mit 24 batterieelektrischen Lkw statt 13 beenden. Das österreichische Unternehmen mit Sitz in Straßwalchen bei Salzburg erklärt, dass diese Fahrzeuge 60 % seiner österreichischen Flotte ausmachen werden und innerhalb von zwei Jahren weitere 50 Elektro-Lkw folgen sollen. Aussagekräftiger als die Ankündigung selbst ist die Kostenrechnung hinter diesen Zahlen.

Aus 13 Lkw werden 24

Bis zum Ende dieses Jahres will Quehenberger 24 eigene batterieelektrische Lkw betreiben, gegenüber 13 bislang. Das sind 11 zusätzliche Fahrzeuge – ein Anstieg um 85 %. Das Unternehmen hat weder genannt, für welche Kunden die neuen Lkw eingesetzt werden, noch welche Modelle es bestellt.

Bekannt ist hingegen, wo sie zum Einsatz kommen sollen: im Stadtverkehr, auf im Voraus planbaren Routen und an Standorten, an denen Ladeinfrastruktur aufgebaut werden kann. Der Ausbau umfasst auch neue Ladeinfrastruktur. Quehenberger nannte jedoch weder Angaben zur installierten Leistung noch zur Zahl der Ladepunkte.

Volvo, Mercedes und ein MAN-Pilotprojekt von 2018

Quehenberger hat früh begonnen. 2018 war das Unternehmen einer von neun Pilotkunden für den MAN eTGM, einen 26-Tonnen-Elektroverteil-Lkw, den MAN später in einer Kleinserie baute. Die aktuelle Flotte umfasst nachweislich mehrere Volvo FM Electric. Auf dem zur Ankündigung veröffentlichten Pressefoto ist außerdem ein Mercedes-Benz eActros 600 zu sehen.

Der eActros 600 ist das Fernverkehrsmodell: 621 kWh installierte LFP-Kapazität und eine vom Hersteller angegebene Reichweite von rund 500 km im Fernverkehr, bei einer Ladeleistung von bis zu 400 kW. Die 500 km sind kein WLTP-Typgenehmigungswert, sondern die Angabe des Herstellers für den vorgesehenen Einsatzzyklus. Ein 26-Tonnen-Verteiler-Lkw und eine 40-Tonnen-Sattelzugmaschine haben einen sehr unterschiedlichen Verbrauch – das ist wichtig, sobald die Stromkosten berechnet werden.

Was 120 kWh pro 100 km kosten

Nehmen wir die Werte des eActros 600 als vom Typenschild abgeleitete Schätzung. Die Batterie verfügt über 621 kWh installierte Kapazität, davon sind ungefähr 600 kWh nutzbar. Teilt man 600 kWh durch die vom Hersteller angegebene Reichweite von rund 500 km, ergibt sich ein gerundeter Verbrauch von 120 kWh pro 100 km. Das ist eine aus den Grunddaten abgeleitete Zahl, keine Messung – mit Zuladung, winterlichen Temperaturen und Höhenunterschieden wird der tatsächliche Verbrauch höher liegen.

Bei angenommenen 0,55 € pro kWh an einer öffentlichen Gleichstrom-Ladesäule – einem durchschnittlichen europäischen Tarif für gewerbliche Nutzer ohne Mehrwertsteuer – kosten 120 kWh 66,00 € pro 100 km oder etwa 0,66 € pro Kilometer. Ein Diesel-Sattelzug mit 30 l/100 km und einem angenommenen Dieselpreis von 1,50 € pro Liter kommt auf 45 € pro 100 km.

Am Depot dreht sich das Bild. Dieselben 120 kWh kosten bei einem angenommenen Preis von 0,20 € pro kWh – einem realistischen Tarif für Wechselstrom oder Gleichstrom mit niedriger Leistung an einem Standort mit eigener Versorgung – 24,00 € pro 100 km. Das liegt etwa 47 % unter dem Dieselwert. Bei einem Lkw mit 60.000 km Jahresfahrleistung beträgt der Unterschied zwischen Depotladen und öffentlichem Laden rund 25.000 € pro Jahr, noch vor möglichen Mautvergünstigungen für emissionsfreie Fahrzeuge. Sowohl die Tarife als auch der Dieselpreis sind Annahmen. Setzen Sie Ihre eigenen Werte ein – die Rechnung bleibt gleich, die Eingaben bestimmen das Ergebnis.

Unsere Liste der günstigsten Ladestandorte in unserer Datenbank europäischer Ladestandorte zeigt, wie groß die Preisunterschiede auf dem Kontinent sind. Genau deshalb versuchen Transportunternehmen, möglichst viel Energie am eigenen Standort zu laden. Mit dem Ladekostenrechner können Sie Ihren eigenen Tarif berechnen; der Verbrauchswert ist die einzige Variable, die das Ergebnis um mehr als ein paar Euro verändert.

Der dm-Vertrag und der Stadtverkehr

Der Kundenstamm ist bereits erkennbar. Quehenberger lieferte 2024 die ersten drei Elektro-Lkw für die Drogeriekette dm aus. Seit dem Frühjahr 2026 bedient das Unternehmen rund 100 dm-Filialen in Wien mit zehn Elektrofahrzeugen. Lebensmittel- und Drogerielieferungen eignen sich gut für batterieelektrische Fahrzeuge: kurze, wiederholbare Routen, feste Depots und ein nächtliches Zeitfenster zum Laden, wie es kein Fernverkehrsfahrplan bietet.

Andreas Letsch, Geschäftsführer von Quehenberger, sagte, dass elektrischer Güterverkehr nicht nach einem „Gießkannenprinzip“ funktioniere, sondern eine Analyse der betrieblichen Profile und der Routenplanung voraussetze. Zu demselben Schluss kommen die meisten Flottenbetreiber, sobald sie eine Handvoll Fahrzeuge ein Jahr lang eingesetzt haben.

60 % der österreichischen Flotte

Quehenberger zufolge werden die 24 Lkw 60 % der österreichischen Flotte ausmachen. Unter der Annahme, dass es sich um dieselbe Flotte handelt, ergibt sich daraus eine Gesamtzahl von rund 40 Fahrzeugen in Österreich (24 / 0,6 = 40). Die innerhalb von zwei Jahren geplanten 50 zusätzlichen Elektro-Lkw sind mehr als doppelt so viele wie die 24 Elektrofahrzeuge, über die das Unternehmen Ende 2026 verfügen wird. Mit insgesamt 74 Elektro-Lkw läge die Zahl deutlich über den rund 40 Fahrzeugen, die sich aus dem Wert von 60 % für Österreich ergeben. Entweder wächst die Gesamtflotte erheblich, oder ein großer Teil der neuen Lkw wird außerhalb Österreichs eingesetzt. Quehenberger hat die Aufteilung nicht erläutert.

Die regulatorische Richtung steht unabhängig davon fest. Die EU-Verordnung 2024/1610 schreibt vor, dass neue schwere Lkw ihre CO2-Emissionen gegenüber 2019 bis 2030 um 45 %, bis 2035 um 65 % und bis 2040 um 90 % senken müssen. Der Druck zeigt sich zuerst im Pkw-Markt: Der BEV-Anteil in Deutschland erreichte im Oktober mit 37 % einen Rekordwert, während Großbritannien 32 % erreichte und damit nur knapp unter dem Ziel seines 2026 geltenden Quotensystems blieb. Flotten, die jetzt Lkw kaufen, kalkulieren mit einem Schwellenwert für 2030 – nicht mit einem fernen Ziel.

Was die Zahlen aussagen

Elf zusätzliche Lkw sind nach europäischen Flottenmaßstäben ein kleiner Schritt. Die Wirtschaftlichkeit hängt von zwei Faktoren ab: einem Depot mit günstigem Strom und einem Einsatzprofil, das lang genuges Laden über Nacht ermöglicht. Öffentliches Laden zu einem angenommenen Preis von 0,55 € pro kWh macht den Betrieb eines 40-Tonnen-Elektro-Lkw pro Kilometer teurer als den eines Diesel-Lkw. Quehenberger hat weder die Modelle der neuen Fahrzeuge noch die Kunden, für die sie eingesetzt werden, oder die dahinterstehende installierte Ladeleistung bekannt gegeben.

Quelle: https://www.electrive.com/2026/11/05/quehenberger-doubles-its-battery-electric-truck-fleet/

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