Diesen Artikel anhören:
Ihr Browser unterstützt das Audio-Element nicht.Ein historischer Name kehrt in neuer Ära zurück
Als Land Rover 2014 den ursprünglichen Namen Freelander einstellte, hätten wohl nur wenige vorhergesagt, dass er mehr als ein Jahrzehnt später als Range-Extender-Elektro-SUV aus chinesischer Fertigung zurückkehren würde. Doch genau das tut der Freelander 8 First Edition – er trägt sowohl das Erbe einer beliebten britischen Geländewagenmarke als auch die technologischen Ambitionen einer der dynamischsten Automobilpartnerschaften Chinas.
Das Joint Venture von Chery Automotive und Jaguar Land Rover (JLR) hat 12 Milliarden Yuan (rund 1,78 Milliarden US-Dollar) in die Fertigungsinfrastruktur dieses Projekts investiert. Das ist keine kleine Wette. Es signalisiert echtes Engagement für die Produktion von Fahrzeugen, die nicht nur über den Preis konkurrieren können, sondern auch über Fähigkeiten, Technologie und Premium-Ausstrahlung.
Die EREV-Architektur: Warum 800V zählen
Der Freelander 8 basiert auf einer 800V-Hochvolt-Architektur für Range-Extender-Elektrofahrzeuge (EREV) – demselben elektrischen Standard, der zunehmend bei chinesischen Premium-E-Autos zum Einsatz kommt und sich nun auch bei europäischen Modellen verbreitet. Höhere Spannung bedeutet schnelleres Laden, geringere Wärmeentwicklung und eine effizientere Energieübertragung im Antriebsstrang.
Im Kern steckt ein 60,331 kWh großer Batteriespeicher, der gemeinsam mit CATL entwickelt wurde – einem der weltweit führenden Batteriehersteller. Die Batterie unterstützt 6C-Laden und ermöglicht eine Spitzenladeleistung von 350 kW – ein Wert, der sie klar in die Kategorie des Ultraschnellladens einordnet. Für einen großen, auf Leistungsfähigkeit ausgelegten SUV ist das eine beachtliche technische Leistung.
Wenn die Batterie zur Neige geht, übernimmt ein 1,5-Liter-Turbomotor als Range Extender mit 115 kW Leistung. Er beseitigt Reichweitenangst auf längeren Fahrten, ohne die volle Komplexität eines klassischen Plug-in-Hybrid-Antriebsstrangs. Die zertifizierte rein elektrische Reichweite von 221 km reicht aus, um die meisten täglichen Fahrprofile in der Stadt und im Umland zu bewältigen, ohne dass der Verbrenner überhaupt startet.
Offroad-Qualitäten: mehr als ein Emblem
Trotz seines elektrifizierten Herzens nimmt der Freelander 8 First Edition seine Offroad-DNA ernst. Das Fahrwerk verfügt über eine geschlossene Zweikammer-Luftfederung – Hardware, wie sie bei deutlich teureren Konkurrenten zu finden ist – sowie ein beeindruckendes Drei-Sperren-System: eine vordere mechanische Differenzialsperre, ein hinteres elektronisches Sperrdifferenzial und eine virtuelle Mittelsperre.
Zusammengehalten wird alles vom i-ATS (Intelligent All-Terrain System), das gemeinsam mit Huawei-Software abgestimmt wurde und sich automatisch an unterschiedliche Bodenverhältnisse anpasst. Bei einem Fahrzeug mit 3.495 kg Gesamtgewicht ist die intelligente Verteilung des Drehmoments auf alle vier Räder nicht nur Luxus, sondern eine Sicherheitsnotwendigkeit.
Huawei Inside: die Technologiepartnerschaft hinter der Intelligenz
Der wohl aufschlussreichste Aspekt im Datenblatt des Freelander 8 ist seine Abhängigkeit von Huaweis intelligenter Fahrassistenzplattform Qiankun ADS 5 – demselben System, das in mehreren der technologisch fortschrittlichsten E-Autos Chinas zum Einsatz kommt. Damit reiht sich der Freelander 8 in ein wachsendes Ökosystem von Fahrzeugen ein, die Huaweis Software- und Sensorpakete als Wettbewerbsvorteil nutzen.
Die Hardware dahinter ist ebenso beeindruckend: ein Flaggschiff-Rechenchip Qualcomm Snapdragon 8397 und ein auf dem Dach montierter 896-Zeilen-LiDAR-Sensor. Hochauflösendes LiDAR dieser Leistungsklasse ist selbst in europäischen Premiumfahrzeugen noch selten – der Freelander 8 ist damit nach globalem Maßstab wirklich fortschrittlich.
Sechs Sitze, drei Varianten und erste Verkaufserfolge
Den Freelander 8 First Edition gibt es in einer Sechs-Sitz-Konfiguration über drei Ausstattungslinien: Pro, Max und Max+. Die Bezeichnung „First Edition“ deutet auf eine auf den Marktstart ausgerichtete Variante hin, die Early Adopters anziehen und der Marke Schwung verleihen soll.
Die Verkaufszahlen der ersten Monate sind vorsichtig ermutigend. Bis Mai 2026 summierten sich die Auslieferungen auf 3.976 Fahrzeuge, allein im Mai waren es 997. Gemessen an chinesischen Marktstandards sind diese Zahlen bescheiden – dort definieren Monatsvolumina von Zehntausenden die Marktführerschaft –, doch sie sind ein echter Anfang für eine Marke, die erst im Juni 2026 ihren ersten öffentlichen physischen Auftritt hatte, nach einer ersten Markenpräsentation im März.
Was das für die globale E-Auto-Landschaft bedeutet
Der Freelander 8 ist eines der deutlichsten Beispiele dafür, wie westliche Automobilmarken durch chinesische Partnerschaften neues Leben finden. JLR bringt das Erbe, die Offroad-Philosophie und die Premium-Positionierung ein. Chery bringt Fertigungsmaßstab, Lieferkettenbeziehungen und Technologiezugang – einschließlich der CATL-Batteriechemie und Huaweis Stack für intelligentes Fahren.
Für europäische Beobachter stellt sich eine wichtige Frage: Wird der Freelander 8 irgendwann die Grenze zu westlichen Märkten überschreiten? JLR hat keine solchen Pläne bestätigt, und das aktuelle Modell ist stark auf chinesische Regulierungsstandards und Kundenerwartungen zugeschnitten. Doch die 800V-Architektur, die CATL-Batterie und die Huawei-ADS-5-Plattform sind allesamt global relevante Technologien. Sollten es die Handelsbedingungen zulassen, ist eine Europa-Version nicht undenkbar.
Klar ist, dass das EREV-Format – lange von chinesischen Marken wie Li Auto vorangetrieben – für große SUVs immer überzeugender wird. Die Kombination aus einer nennenswerten rein elektrischen Reichweite für den Alltag und einem Verbrenner als Absicherung für längere Fahrten adressiert die realen Bedenken von Käufern, die sich noch nicht vollständig auf ein BEV festlegen wollen. Die 221 km elektrische Reichweite des Freelander 8 reichen aus, damit der Range Extender für die meisten Besitzer tatsächlich optional ist und nicht zur ständigen Krücke wird.
Was ist der Unterschied zwischen einem EREV und einem klassischen Plug-in-Hybrid?
Bei einem EREV (Range-Extended Electric Vehicle) treibt der Verbrennungsmotor die Räder nicht direkt an – er fungiert ausschließlich als Generator zum Nachladen der Batterie. Das bedeutet, dass das Fahrzeug immer elektrisch fährt, anders als bei einem herkömmlichen PHEV, bei dem der Benzinmotor auch direkt den Antriebsstrang antreiben kann. Das Ergebnis ist ein Fahrerlebnis, das sich eher wie bei einem reinen E-Auto anfühlt, wobei der Verbrenner nur als zusätzlicher Reichweiten-Generator dient.
Ist der Freelander 8 in Europa erhältlich?
Mitte 2026 wird der Freelander 8 First Edition ausschließlich in China über das Joint Venture von Chery und JLR verkauft. JLR hat keine Pläne angekündigt, ihn auf europäische Märkte zu bringen, obwohl die Plattform Technologien nutzt – darunter CATL-Batterien und Huawei-ADAS –, die zunehmend global verbreitet sind. Ein Europa-Start müsste zudem regulatorische und handelspolitische Aspekte berücksichtigen, angesichts der aktuellen Zollentwicklung zwischen EU und China.
Wie schlägt sich die Ladegeschwindigkeit des Freelander 8 im Vergleich zu anderen Premium-E-Autos?
Der Freelander 8 unterstützt 6C-Laden an seiner 60 kWh großen CATL-Batterie und erreicht damit eine Spitzenladeleistung von 350 kW. Zum Vergleich: Die meisten europäischen Premium-E-Autos kommen derzeit auf maximal 200–270 kW. Damit gehört der Freelander 8 zu den schnellladendsten Fahrzeugen seines Segments, wobei diese Werte nur mit Zugang zu kompatibler 800V-Ultraschnellladeinfrastruktur erreichbar sind.