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Ihr Browser unterstützt das Audio-Element nicht.Wenn Renault und Geely ihre Motorenkompetenz bündeln
Horse Powertrain ist noch kein Name, der einem leicht über die Lippen geht, doch das Unternehmen steht für etwas, das in der Autoindustrie selten ist: ein Joint Venture zwischen einem europäischen Hersteller und einem chinesischen Konzern, das gezielt um Verbrennungs- und Hybrid-Antriebstechnik herum aufgebaut wurde. Renault und Geely gründeten das Unternehmen, um Motoren, Getriebe und – zunehmend – elektrifizierte Antriebssysteme für eine Welt zu entwickeln und zu fertigen, die sich noch immer von fossilen Brennstoffen löst.
Mit Aktivitäten auf drei Kontinenten, rund 19.000 Mitarbeitenden und fünf globalen F&E-Zentren positioniert sich Horse Powertrain im Stillen als bevorzugter Zulieferer für Hersteller, die flexible und abgasnormkonforme Antriebslösungen brauchen. Die jüngste Entwicklung, der Methanol-Range-Extender D20, ist das bislang deutlichste Signal dafür, wohin diese Ambition führt.
Was ein Range Extender wirklich macht – und warum Methanol die Rechnung verändert
Bevor wir uns den Daten des D20 zuwenden, lohnt ein klarer Blick darauf, was ein Range Extender ist. Anders als bei einem Plug-in-Hybrid, dessen Verbrenner die Räder direkt antreiben kann, arbeitet ein Range Extender ausschließlich als Bordgenerator. Der Benzin- – in diesem Fall der Methanolmotor – läuft nur, um Strom zu erzeugen, der die Traktionsbatterie speist. Die Räder werden immer von Elektromotoren angetrieben. Das Ergebnis ist ein Fahrerlebnis, das grundsätzlich elektrisch bleibt, während die Reichweitenangst, die reine BEVs noch immer plagt, verschwindet.
Die Wahl von Methanol als Kraftstoff ist bedeutsam. Anders als Benzin oder Diesel lässt sich Methanol aus erneuerbaren Quellen herstellen – etwa aus abgeschiedenem CO₂ und grünem Wasserstoff. Der CO₂-Fußabdruck des Kraftstoffs kann damit deutlich geringer sein als bei herkömmlichen Kohlenwasserstoffen. China hat in den vergangenen zehn Jahren stark in die Methanol-Infrastruktur investiert, was Methanol für eine Technologie, die zunächst auf den chinesischen Markt zielt, zur pragmatischen Wahl macht. Horse Powertrain hat den D20 aber auch so ausgelegt, dass er die Euro-7-Abgasnorm erfüllt – ein klares Signal für europäische Ambitionen.
Der D20 Methanol: Daten, die aufhorchen lassen
Die wichtigsten Zahlen überzeugen. Der D20 Methanol liefert bis zu 105 kW elektrische Leistung aus einem 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder, der mit 100 % Methanol läuft. Das komplette integrierte System – Motor, Generator und Leistungselektronik – wiegt 170 kg.
Bei den Wirkungsgraden führt der D20 sein überzeugendstes Argument an. Das System erreicht einen elektrischen Wirkungsgrad von 96,4 % und einen Wirkungsgrad von der Kraftstoff- zur elektrischen Energie von 47 %. Konkret zeigte Horse Powertrain, dass der D20 unter Laborbedingungen eine 40-kWh-Traktionsbatterie mit nur 19,6 Litern Methanol vollständig auflädt. Zum Vergleich: Das ist etwa ein halber Tank Kraftstoff in einem herkömmlichen Auto – und füllt eine elektrische Reichweite nach, die die meisten europäischen Fahrerinnen und Fahrer als völlig ausreichend empfinden dürften.
Die Kälteleistung ist auf reale Anforderungen ausgelegt. Ein hochenergetisches Zündsystem ermöglicht zuverlässige Kaltstarts bei Temperaturen bis hinunter zu minus 35 Grad Celsius – ein Wert, der das System ohne Modifikationen in Skandinavien, Osteuropa und einem großen Teil Nordasiens einsetzbar macht.
Der Axialfluss-Generator: ein leises technisches Meisterstück
Der technisch interessanteste Aspekt des D20 ist womöglich nicht der Motor selbst, sondern der daran angeflanschte Generator. Übliche Range Extender und Hybridsysteme nutzen in der Regel Radialfluss-Generatoren, bei denen der magnetische Fluss von einer zentralen Welle radial nach außen verläuft. Horse Powertrain setzt dagegen auf ein Axialfluss-Design – eine scheibenförmige Bauform, bei der sich Rotor und Stator über einen flachen Luftspalt gegenüberstehen.
Die Vorteile sind erheblich. Im Vergleich zu einem vergleichbaren Radialfluss-Generator erreicht die Axialfluss-Einheit im D20 eine um 46 % kürzere Baulänge und eine um 63 % höhere volumetrische Leistungsdichte. Einfacher gesagt: Sie packt mehr elektrische Leistung in ein kleineres, leichteres Paket. Für Packaging-Ingenieure ist das kein Nebendetail – es bedeutet, dass der D20 auch in Plattformen passt, die nicht ursprünglich für einen Range Extender ausgelegt wurden, und öffnet die Technologie damit einem breiteren Fahrzeugspektrum.
Die entscheidenden Normen: CN6b und Euro 7
Der D20 Methanol erfüllt sowohl die chinesische Abgasnorm CN6b als auch die anspruchsvolle Euro-7-Verordnung, wobei die Stickoxid-Emissionen innerhalb der von beiden Regelwerken gesetzten Grenzwerte liegen. Diese doppelte Konformität ist kein Zufall. Sie bedeutet, dass derselbe Kern-Antriebsstrang in Fahrzeugen eingesetzt werden kann, die in Shanghai und in Stuttgart verkauft werden – ohne grundlegende Neuentwicklung.
Euro 7 gehört zu den am stärksten diskutierten Regelwerken der europäischen Autoindustrie; die Hersteller streiten über Kosten und Zeitpläne. Ein Range Extender, der Euro 7 erfüllt und mit einem erneuerbar herstellbaren Kraftstoff läuft, nimmt eine interessante regulatorische Position ein: Er ist kein Verbrenner im klassischen Sinn und auch kein reines BEV. Er besetzt einen Übergangsbereich, den die Regulierer noch einzuordnen lernen.
Der Moment des REEV-Marktes – und warum Europa hinschauen sollte
Chinas Markt für Range-Extended-Electric-Vehicles (REEV) ist in einem Tempo gewachsen, das selbst optimistische Prognostiker überrascht hat. Unternehmen wie Li Auto haben ganze Produktlinien auf das Konzept gestellt, während neue Anbieter von Huaweis HIMA-Allianz bis zu Nios Submarken Architekturen mit verlängerter Reichweite erprobt haben. Der Reiz ist offensichtlich: Käuferinnen und Käufer bekommen die sanfte, leise Leistungsentfaltung eines Elektroautos, ohne von einem Ladenetz abhängig zu sein, das außerhalb der großen chinesischen Städte ungleich verteilt bleibt.
Europa steht vor einer strukturell ähnlichen Herausforderung. Die öffentliche Ladeinfrastruktur wächst schnell – Deutschland hat in diesem Jahr die Marke von 200.000 öffentlichen Ladepunkten überschritten –, doch die Dichte abseits von Ballungsräumen und Autobahnkorridoren reicht für Fahrerinnen und Fahrer ohne eigene Lademöglichkeit nicht aus. Ein Range Extender, der Euro 7 erfüllt und mit einem potenziell erneuerbaren Kraftstoff läuft, könnte für Märkte, in denen die vollständige BEV-Umstellung langsamer verläuft als politische Ziele annehmen, eine glaubwürdige Brückentechnologie sein.
Horse Powertrains breitere X-Range-Strategie
Der D20 Methanol steht nicht allein. Im April 2026 stellte Horse Powertrain den X-Range C15 Direct Drive vor, ein System, mit dem ursprünglich als reine Elektroplattformen konzipierte Fahrzeuge als Vollhybride, Plug-in-Hybride oder Range Extender fungieren können. Zusammen skizzieren beide Produkte eine kohärente Strategie: den Herstellern ein flexibles Werkzeug an die Hand zu geben, um ihre Modellpalette zu elektrifizieren, ohne sich vollständig auf eine einzige Antriebsarchitektur festzulegen, bevor Markt, Infrastruktur und Regulierung geklärt sind.
Das ist eine pragmatische Haltung – und ein Joint Venture aus Renaults Entwicklungstiefe und Geelys Fertigungsmaßstab ist womöglich wie kaum ein anderes in der Lage, sie umzusetzen. Die Frage ist nun, welche Fahrzeugprogramme den D20 zuerst übernehmen und ob europäische Hersteller – einige von ihnen sind weiterhin Anteilseigner oder Partner sowohl von Renault- als auch von Geely-Unternehmen – darunter sein werden.
Was ist Methanol, und warum dient es als Kraftstoff für Range Extender?
Methanol ist ein einfacher Alkohol-Kraftstoff, der aus Erdgas, Kohle oder – zunehmend – aus abgeschiedenem CO₂ und grünem Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energie hergestellt werden kann. Anders als Benzin hat er das Potenzial, bei erneuerbarer Herstellung ein kohlenstoffarmer Kraftstoff zu sein. In Range Extendern verbrennt er sauber genug, um strenge Abgasnormen wie Euro 7 zu erfüllen, und China verfügt bereits über eine wachsende Methanol-Tankinfrastruktur, was ihn für diesen Markt zur praktischen Wahl macht.
Wie unterscheidet sich ein Range Extender von einem konventionellen Hybrid oder Plug-in-Hybrid?
Bei einem konventionellen Hybrid oder Plug-in-Hybrid kann der Verbrennungsmotor die Räder über eine mechanische Verbindung direkt antreiben. Bei einem Range Extender ist der Verbrennungsmotor reiner Generator – er erzeugt nur Strom, um die Traktionsbatterie nachzuladen, und die Räder werden immer von Elektromotoren angetrieben. Das Fahrerlebnis ist damit jederzeit grundsätzlich elektrisch, der Motor wirkt eher wie ein tragbares Kraftwerk denn als direkte Antriebsquelle.
Wird der Horse Powertrain D20 Methanol in europäischen Autos erhältlich sein?
Horse Powertrain hat den D20 so ausgelegt, dass er die Euro-7-Abgasnorm erfüllt – ein starkes Indiz für Ambitionen auf dem europäischen Markt. Konkrete Fahrzeugprogramme oder europäische Launch-Partner wurden jedoch bis Juli 2026 nicht öffentlich bekannt gegeben. Die Technologie zielt zunächst auf Chinas etablierten REEV-Markt, doch die doppelte Normkonformität hält einen Europaeinsatz weiterhin fest im Spiel.
Quelle: https://www.electrive.com/2026/07/16/horse-powertrain-presents-methanol-range-extender/