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Ihr Browser unterstützt das Audio-Element nicht.Ein neuer CEO, ein neues Team – und ein scheidender CFO
Als Silvio Napoli am 1. Juni 2026 offiziell den Posten des CEO bei Lucid Motors übernahm, erbte der schweizerisch-italienische Manager – bekannt vor allem als Chef der Schindler Group, des großen Aufzugs- und Rolltreppenherstellers – ein Unternehmen in tiefer finanzieller Not und organisatorischem Umbruch. Knapp fünf Wochen später, am 2. Juli, teilte Lucid mit, dass Finanzvorstand Taoufiq Boussaid das Unternehmen verlassen habe – ein weiterer prominenter Abgang in einem Jahr, das ohnehin von Umwälzungen geprägt ist.
Die Mitteilung kam zusammen mit den Produktions- und Auslieferungszahlen für das zweite Quartal 2026 und einer Erklärung zu „Führungsmaßnahmen zur Verbesserung der Umsetzung“. Das Unternehmen produzierte im zweiten Quartal 4.774 Fahrzeuge und lieferte 3.953 aus – eine deutliche Verbesserung gegenüber den 3.309 Auslieferungen im zweiten Quartal 2025, aber noch weit entfernt von dem, was Investoren sehen müssen, um an die langfristige Überlebensfähigkeit von Lucid zu glauben.
Wer kommt, wer geht
Parallel zum Abgang des CFO hat Napoli die Führungsriege umgebaut. Drei neue Positionen auf C-Level wurden geschaffen: ein Chief Technology Officer, ein Chief Customer Officer und ein Chief Transformation Officer. Der Umbau soll die Zahl der direkt an den CEO berichtenden Führungskräfte halbieren und die Entscheidungswege in einer Organisation straffen, die Kritiker seit Langem als zu langsam in der Umsetzung beschreiben.
Eine wichtige interne Personalie ist Kay Stepper, der zum President of Lucid Technologies und Chief Digital Officer ernannt wurde. Stepper hatte zuvor die Programme für Fahrassistenz und autonomes Fahren im Unternehmen geleitet – ein Signal, dass Lucid Software und selbstfahrende Technologie stärker als Unterscheidungsmerkmal vorantreiben will.
Die Abgänge sind jedoch ebenso bezeichnend. Vor Napolis Amtsantritt verließ im Juni Interims-CEO Marc Winterhoff das Unternehmen, der zuvor als COO fungiert hatte. Etwa zeitgleich ging auch Emad Dlala, ein führender Ingenieur und seit elf Jahren im Unternehmen. Bereits im Februar hatte Lucid 12 % der Belegschaft abgebaut; im Juni wurde ein weiterer Abbau von 18 % angekündigt. Damit geht das Unternehmen deutlich schlanker in die zweite Hälfte des Jahres 2026.
Der finanzielle Druck hinter den Entscheidungen
Der Führungsumbau lässt sich nicht von der finanziellen Lage bei Lucid trennen. Das Unternehmen verbuchte 2025 einen Nettoverlust von $2,7 Milliarden – genau so viel wie im Vorjahr –, was zeigt, dass sich die Kostenstruktur trotz steigender Verkäufe nicht verbessert hat. Mehrheitsaktionär von Lucid ist der Public Investment Fund (PIF) aus Saudi-Arabien, der das Unternehmen weiter mit Kapitalspritzen stützt – doch die Geduld in Riad ist nicht unbegrenzt.
Der Gravity SUV, mit dem Lucid sein Angebot über die Flaggschiff-Limousine Air hinaus erweitern wollte, hatte einen schwierigen Start. Fertigungsprobleme und Softwarefehler bremsten die frühe Produktion, verärgerten Käufer und beschädigten den Ruf der Marke für Premiumqualität. Für ein Unternehmen, dessen gesamte Identität darauf beruht, der technisch beste E-Auto-Hersteller Amerikas zu sein, sind Qualitätsprobleme besonders schädlich.
Worauf Lucid hinarbeitet
Trotz der Turbulenzen treibt Lucid sein bislang kommerziell wichtigstes Produkt voran: den Cosmos Crossover für rund $50.000 – etwa die Hälfte des Preises des Air. Die Produktion soll in Saudi-Arabien bis Ende 2026 anlaufen, 2027 folgt die Fertigung in Arizona. Wenn der Cosmos reibungslos startet und breite Käuferschichten anspricht, wäre das ein echter Wendepunkt für das Unternehmen.
Napolis Umbau zielt offenbar darauf ab, genau das zu ermöglichen. Eine vereinfachte Führungsspitze, klarere Verantwortlichkeiten und weniger bürokratische Ebenen sind klassische Schritte einer Sanierung. Die Frage ist, ob sie früh genug kommen – und ob Lucid die Ingenieurinnen, Ingenieure und Finanzfachleute gewinnen und halten kann, die für die Umsetzung nötig sind.
Auch beim Robotaxi-Geschäft deutet eine am 17. Juni angekündigte Partnerschaft darauf hin, dass Lucid Flotten- und autonome Fahrzeugmärkte als künftige Einnahmequelle sieht – Details bleiben allerdings vage.
Ein Muster, das E-Auto-Beobachter kennen
Die Personalfluktuation bei Lucid folgt einem Muster, das auch andere ambitionierte E-Auto-Start-ups zeigen. Schnelles Wachstum, Produktionsprobleme und Investorendruck schaffen ein volatiles Umfeld für Führungskräfte. Was Lucid unterscheidet, ist die Tiefe seiner Technologie: Die Effizienz des Antriebsstrangs ist nach wie vor führend, und der Air hält weiterhin Reichweitenrekorde, die Wettbewerber nicht erreicht haben. Ob sich diese technische Exzellenz in nachhaltigen kommerziellen Erfolg umsetzen lässt, ist die zentrale Frage von Napolis Amtszeit.
Für europäische Beobachter bleibt Lucid eine spannende Fallstudie. Die Marke ist in wichtigen europäischen Märkten vertreten, und der günstigere Cosmos könnte im Premium-Volumensegment durchaus gegen Modelle wie den BMW iX oder die Mercedes EQE antreten. Gelingt die Sanierung, könnte Europa zu einem wichtigen Wachstumsmarkt werden. Gelingt sie nicht, droht Lucid zu einem weiteren warnenden Beispiel für die Lücke zwischen technischem Anspruch und Fertigungswirklichkeit zu werden.
Warum hat Lucids CFO das Unternehmen im Juli 2026 verlassen?
Lucid gab den Abgang von CFO Taoufiq Boussaid am 2. Juli 2026 im Rahmen eines umfassenderen Führungsumbaus unter dem neuen CEO Silvio Napoli bekannt. Das Unternehmen erklärte, die Änderungen sollten „die Struktur des Unternehmens vereinfachen, die Verantwortlichkeiten schärfen und die Umsetzung verbessern“; persönliche Gründe für Boussaids Ausscheiden wurden jedoch nicht öffentlich genannt.
Wer ist Silvio Napoli und welchen Hintergrund hat er?
Silvio Napoli ist ein schweizerisch-italienischer Manager, der am 1. Juni 2026 CEO von Lucid wurde. Bekannt ist er vor allem für seine lange Karriere bei der Schindler Group, dem Schweizer Hersteller von Aufzügen und Rolltreppen, wo er bis zum Verwaltungsratspräsidenten und CEO aufstieg. Seine Berufung wurde als Zugewinn an operativer Disziplin und Fertigungsexpertise für ein Unternehmen gesehen, das mit Produktionsproblemen kämpft.
Was ist der Lucid Cosmos und wann kommt er nach Europa?
Der Lucid Cosmos ist ein Crossover-SUV für den Volumenmarkt mit einem Preis von rund $50.000, das Lucids Attraktivität über die Luxus-Limousine Air hinaus erweitern soll. Die Produktion soll bis Ende 2026 in Saudi-Arabien anlaufen, 2027 folgt die Fertigung im US-Bundesstaat Arizona. Eine europäische Verfügbarkeit wurde bislang nicht offiziell bestätigt; angesichts des bestehenden europäischen Händlernetzes von Lucid wird der Cosmos aber voraussichtlich erst nach dem Anlaufen der Produktion nach Europa kommen.
Quelle: https://insideevs.com/news/800467/lucid-cfo-leadership-changes-ceo/