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Mitsubishi Motors nimmt in der Geschichte des Elektroautos einen ungewöhnlichen Platz ein. 2009 brachte die Marke den i-MiEV auf den Markt – das weltweit erste in Serie gebaute Batterie-Elektroauto – lange bevor Teslas Model S oder der Nissan Leaf die Kategorie etablierten. Danach war Schluss. Mehr als ein Jahrzehnt lang steckte die japanische Marke ihr Elektrifizierungsbudget in Plug-in-Hybride und überließ den reinen E-Auto-Markt der Konkurrenz.
Das ändert sich jetzt. Am 26. Mai 2026 kündigte Mitsubishi Motors Europe den Verkaufsstart des neuen Eclipse Cross BEV an, eines kompakten Elektro-SUV, das speziell für europäische Käufer entwickelt wurde. „Dies ist der erste rein elektrische Mitsubishi in Europa seit dem wegweisenden i-MiEV und damit ein entscheidendes Modell auf unserem Weg zur Elektrifizierung“, sagte Frank Krol, Präsident und CEO von Mitsubishi Motors Europe.
Das Fahrzeug tritt in ein Segment ein, das zugleich das größte und das umkämpfteste in Europa ist – die kompakten Elektro-SUV –, wo es auf etablierte Wettbewerber wie den Volkswagen ID.4, den Škoda Enyaq, den Hyundai IONIQ 5 und den technisch verwandten Renault Scénic E-Tech Electric trifft.
Französisches Fundament, japanische Hülle
Der Eclipse Cross BEV wird im ElectriCity-Werk der Renault Group in Douai in Nordfrankreich gefertigt, im Rahmen einer OEM-Vereinbarung zwischen den Alliance-Partnern. Er basiert auf der CMF-EV-Plattform – auch bekannt als AmpR Medium –, derselben Architektur, auf der auch der Renault Scénic E-Tech Electric und der Nissan Ariya aufbauen.
Doch das europäische Designstudio von Mitsubishi hat dem Fahrzeug eine deutlich andere Persönlichkeit verliehen. Die Front zeigt eine weiterentwickelte Version des markentypischen „Dynamic Shield“-Kühlergrills – nun in einem dreidimensionalen hexagonalen Wabenmuster aus mattem Chrom. Ein hexagonales Motiv wiederholt sich am Heck, eingerahmt von horizontal angeordneten LED-Lichtbändern, die dem Auto einen satten, breitschultrigen Auftritt geben.
„Der neue Eclipse Cross führt den typischen Charakter von Mitsubishi Motors einen Schritt weiter und vermittelt die gleiche Fahrdynamik in SUV-Form mit modernem E-Auto-Design, während er Fahrer wie Beifahrern ein Gefühl von Sicherheit gibt“, sagte Ryosuke Matsuoka, General Manager Design bei Mitsubishi Motors Europe. Das Designteam prägte dafür den Begriff „Smart Armour“ – eine Verbindung aus der Wertigkeit, die man von einem modernen Elektroauto erwartet, mit visuellen Signalen von Robustheit und Schutz.
Der SUV ist 4.470 mm lang, 1.860 mm breit und 1.570 mm hoch und rollt je nach Ausstattungslinie auf 19- oder 20-Zoll-Leichtmetallrädern. Fünf Außenfarben stehen zur Wahl: Volcanic Grey, Crystal White, Sapphire Blue, Sunrise Red und Onyx Black.
Antrieb: ein Motor, zwei Batterien
Zum Marktstart wird der Eclipse Cross BEV in einer einzigen Long-Range-Konfiguration angeboten. Ein permanenterregter Synchron-Elektromotor liefert 160 kW (218 PS) und 300 Nm Drehmoment und treibt die Vorderräder über ein Eingang-Getriebe an. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert er in 8,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h.
Die 87-kWh-Batterie – die größere von zwei geplanten Batterien – ermöglicht eine WLTP-Reichweite von mehr als 600 Kilometern. Ein flüssigkeitsgekühltes Thermomanagement mit Wärmepumpe gehört zur Serienausstattung; es minimiert den Energieverbrauch für die Heizung des Innenraums und hilft, die Reichweite im Alltag bei kälteren Bedingungen zu bewahren.
Mitsubishi hat bestätigt, dass später im Jahr 2026 eine Variante mit mittlerer Reichweite folgt, wahrscheinlich mit einer 60-kWh-Batterie – analog zur Einstiegskonfiguration des Scénic E-Tech. Offizielle technische Daten wurden allerdings noch nicht veröffentlicht.
Die Rekuperation lässt sich über Schaltwippen am Lenkrad in vier Stufen (B0 bis B3) verstellen, sodass Fahrende die gewünschte Energierückgewinnung selbst festlegen können. Eine Eco-Score-Funktion bewertet die Fahreffizienz auf einer Skala von 100 Punkten und gibt Tipps für alle, die noch ein paar Kilometer herausholen wollen.
Über das Zentraldisplay stehen vier Fahrmodi zur Verfügung: PERSO (voll individualisierbar), ECO (senkt den Energieverbrauch um bis zu 10 %), COMFORT (ausgewogen) und SPORT (schärfere Gaspedalreaktion und mehr Agilität).
Laden: solide, aber nicht an der Spitze
Beim Laden unterstützt der Eclipse Cross BEV das Wechselstromladen (AC) mit bis zu 22 kW über einen Typ-2-Anschluss – genug für das nächtliche Nachladen zu Hause oder an der Wallbox am Arbeitsplatz. Für längere Fahrten erreicht das Gleichstrom-Schnellladen (DC) über den CCS-2-Anschluss bis zu 150 kW. Damit lässt sich der Akku nach den Werten, die Mitsubishi für das Renault-Schwestermodel nennt, in rund 37 Minuten von 10 auf 80 % laden.
Die Obergrenze von 150 kW ist nach Maßstäben des Jahres 2026 bescheiden: Fahrzeuge wie der Hyundai IONIQ 5 und der Kia EV6 mit 800-Volt-Architektur ziehen über 230 kW. Wer regelmäßig lange Autobahnstrecken fährt, für den bleibt das eine spürbare Einschränkung, die es zu bedenken gilt.
Innenraum: Licht, Klang und Platz
Im Innenraum will der Eclipse Cross BEV Alltagstauglichkeit mit Premium-Atmosphäre verbinden. Das herausragende Merkmal ist ein elektrochromes Panorama-Glasdach, das auf Knopfdruck zwischen opak und transparent wechselt – in der kompakten SUV-Klasse noch immer selten. Nach Einbruch der Dunkelheit kann eine LED-Ambientebeleuchtung mit 48 Farben ihre Töne an den gewählten Fahrmodus oder die Stimmung der Fahrenden anpassen.
Der Innenraum bietet fünf Sitzplätze in zwei Reihen. Bei ganz nach vorn geschobenen Rücksitzen beträgt der Kofferraum 478 Liter; werden sie flach umgelegt, wächst das Volumen auf 1.670 Liter. ISOFIX-Halterungen gibt es an beiden äußeren Rücksitzen und am Beifahrersitz.
Ein vertikales 12,3-Zoll-Infotainmentdisplay dient als digitale Zentrale und läuft mit Google built-in – Google Maps, Google Play und Google Assistant sind also nativ integriert, ohne dass ein gekoppeltes Smartphone nötig ist. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto werden ebenfalls unterstützt. Ein zweiter 12,3-Zoll-Bildschirm hinter dem Lenkrad übernimmt die Instrumentierung.
Das optionale Harman-&-Kardon-Premium-Audiosystem verteilt 410 Watt auf 10 Kanäle, darunter zwei Hochtöner im Armaturenbrett, Türlautsprecher vorn und hinten mit Doppelschwingspulen sowie ein im Kofferraum montierter Subwoofer. Fünf Hörprofile – Studio, Podcast, Concert, Club und Immersive – erlauben es den Insassen, den Klang anzupassen.
Sicherheit und Fahrassistenz
Mitsubishi hat den Eclipse Cross BEV mit bis zu 20 modernen Fahrassistenzsystemen (ADAS) ausgestattet. Die Sensorik besteht aus 12 Ultraschallsensoren, vier Kameras und einem Frontradar für eine 360-Grad-Abdeckung.
Herzstück ist MI-PILOT (Mitsubishi Intelligent Pilot), ein teilautonomes System der Stufe 2, das adaptiven Tempomaten mit Stop-and-go-Funktion und Spurmittenführung kombiniert. Es übernimmt Geschwindigkeit und Lenkung auf Autobahnen und im Stau, mit drei vom Nutzer wählbaren Modi – Manuell, Automatisch (Straßenkontext) und Automatisch (gesetzliche Geschwindigkeit). Fahrende können das System jederzeit übersteuern.
Zu den herausragenden Sicherheitsfunktionen gehören die automatische Notbremsung beim Rückwärtsfahren, die Hindernisse bei langsamen Rangierfahrten erkennt, sowie eine Multikollisionsbremse, die nach einem ersten Aufprall automatisch bremst, um Folgekollisionen zu verhindern. Sieben Airbags, darunter ein Front-Center-Airbag zwischen Fahrer und Beifahrer, vervollständigen das passive Sicherheitspaket.
Für Einsatzkräfte trennt eine pyrotechnische Trennvorrichtung die Hochvoltbatterie automatisch, sobald die Airbags auslösen, und ein eigener Zugangsanschluss erlaubt es der Feuerwehr, das Batteriegehäuse bei Bedarf mit Wasser zu fluten.
Der Garantievorteil
Das vielleicht stärkste Unterscheidungsmerkmal des Eclipse Cross BEV in einem dicht besetzten Markt ist das Garantiepaket von Mitsubishi. Die Werksgarantie deckt 5 Jahre oder 100.000 km ab und lässt sich unter bestimmten Bedingungen um weitere 3 Jahre oder 60.000 km verlängern – insgesamt also 8 Jahre oder 160.000 km.
Für die Antriebsbatterie gilt eine eigene Garantie von 8 Jahren bzw. 160.000 km, womit Mitsubishi die meisten europäischen und koreanischen Wettbewerber erreicht oder übertrifft. Eine 12-jährige Garantie gegen Durchrostung und bis zu 15 Jahre Pannenhilfe über das Mitsubishi Assistance Package runden das Angebot ab.
In einem Segment, in dem Käufer E-Autos zunehmend als langfristige Anschaffung betrachten, könnte eine so umfassende Absicherung den Ausschlag geben – besonders für Privatkunden, die Batteriedegradation oder Reparaturkosten außerhalb der Garantie fürchten.
Was das für Europa bedeutet
Der Eclipse Cross BEV ist für Mitsubishi mehr als ein neues Modell; er signalisiert den Willen der Marke, in einem europäischen Markt relevant zu bleiben, der sich schneller elektrifiziert als fast überall sonst auf der Welt. Im April 2026 verzeichneten Batterie-Elektroautos in der EU 38 % mehr Neuzulassungen als im gleichen Monat des Vorjahres, und ein Großteil dieses Wachstums konzentriert sich auf das Segment der kompakten SUV.
Indem Mitsubishi die Fertigungskapazitäten und Plattforminvestitionen von Renault nutzt, spart die Marke die enormen Investitionen in eine eigene E-Auto-Architektur und erhält zugleich Zugang zu einem bewährten, wettbewerbsfähigen Produkt. Das Wagnis besteht darin, ob der Mitsubishi-Schriftzug, die Designsprache und das Garantiepaket ausreichen, um Käufer dazu zu bewegen, sich gegen den überaus kompetenten Scénic E-Tech zu entscheiden – oder gegen die wachsende Welle chinesischer Alternativen, die gerade nach Europa kommt.
Die Preise wurden noch nicht bekannt gegeben. Da der Scénic E-Tech Electric 220 Long Range in den meisten europäischen Märkten derzeit bei rund 47.900 € startet, dürfte der Eclipse Cross BEV in einer ähnlichen Region liegen. Offizielle Zahlen und eine vollständige Aufschlüsselung nach Ausstattungslinien sollen in den kommenden Wochen folgen.
Ist der Mitsubishi Eclipse Cross BEV nur ein umbenannter Renault Scénic?
Technisch ja – beide Fahrzeuge teilen die CMF-EV-Plattform, die Batterie und den Motor und laufen auf derselben Produktionslinie im Renault-Werk in Douai in Frankreich. Mitsubishis europäisches Designteam hat jedoch ein eigenständiges Front- und Heckdesign umgesetzt, einen anderen Innenraum mit markenspezifischen Materialien und Ambientebeleuchtung sowie eine eigene ADAS-Abstimmung, das MI-PILOT-System und ein eigenes Garantiepaket. Das Nutzungserlebnis und die visuelle Identität unterscheiden sich deutlich vom Scénic.
Welche Ladeleistung unterstützt der Eclipse Cross BEV?
Der Eclipse Cross BEV unterstützt Wechselstromladen mit bis zu 22 kW (Mode 3, Typ 2) für das Laden zu Hause und am Arbeitsplatz sowie Gleichstrom-Schnellladen mit bis zu 150 kW über CCS 2. Eine Ladung von 10 auf 80 % dauert an einer 150-kW-Säule rund 37 Minuten. Das ist wettbewerbsfähig, aber nicht spitzenklasse – Fahrzeuge mit 800-Volt-Architektur wie der Hyundai IONIQ 5 laden deutlich schneller.
Wann kommt die Version mit mittlerer Reichweite?
Mitsubishi hat bestätigt, dass eine Variante mit mittlerer Reichweite später im Jahr 2026 folgt, aber weder den genauen Marktstart noch die Batteriekapazität genannt. Aufgrund der gemeinsamen CMF-EV-Architektur mit dem Renault Scénic E-Tech wird allgemein erwartet, dass sie eine 60-kWh-Batterie mit einer Reichweite von rund 420–430 km bietet und sich an Käufer mit geringerer Tagesfahrleistung und kleinerem Budget richtet.