Tests & Fahrberichte

Spotify-Auto-App ohne Google-Vorlage im Audi A6 e-tron und Q6 e-tron

Spotifys neue Auto-App auf dem Zentraldisplay eines Audi, zu sehen sind Albumcover, eine Wiedergabeleiste und die Warteschlange. KI-generierte Illustration.
Spotifys neue Auto-App auf dem Zentraldisplay eines Audi, zu sehen sind Albumcover, eine Wiedergabeleiste und die Warteschlange. KI-generierte Illustration.
Spotifys erste Auto-App, die Spotify von Anfang bis Ende selbst entwickelt hat, rollt für den Audi A6 e-tron und den Q6 e-tron aus. Der Unterschied zur Spotify-App, die schon in vielen Fahrzeugen mit Googles Android Automotive steckt, ist technisch: Diese App zeichnet ihre eigene Oberfläche, statt eine von Google kontrollierte Vorlage zu füllen. In Autos mit Beifahrerdisplay zeigt sie Songtexte, und über einen QR-Code kann die Person auf diesem Sitz Titel zu einer gemeinsamen Warteschlange hinzufügen.

Headless und Headful

Die Spotify-Version, die seit 2021 in Fahrzeugen mit Android Automotive ausgeliefert wird, ist headless. Spotify liefert den Katalog, die Playlists und das Konto; Google liefert das Layout über ein Medien-Template, in das jede Musik-App passen muss. Die neue App ist headful, das heißt: Spotify zeichnet den Bildschirm selbst.

„Wir zeichnen jedes Pixel“, sagte Jonathan Tarlton, bei Spotify für Geschäftsentwicklung im Automobilbereich zuständig, gegenüber The Verge. „Wir verantworten das Nutzererlebnis. Wir stecken also nicht in einer Vorlage oder einem Framework. Es ist zu 100 Prozent Spotify.“

Was die zusätzliche Freiheit bringt

Im A6 e-tron und Q6 e-tron kann die App das Beifahrerdisplay während der Fahrt für Songtexte nutzen. Ein QR-Code auf diesem Bildschirm lässt die Beifahrerin oder den Beifahrer einer gemeinsamen Hörsession beitreten und Titel in die Warteschlange schieben. Das Zentraldisplay kann außerdem Video abspielen und Songtexte anzeigen, doch das Bild stoppt, sobald das Auto fährt, und nur der Ton läuft weiter. Die Sprachsteuerung läuft über den fahrzeugeigenen Assistenten, „Hey Audi“ übernimmt also Springen und Lautstärke.

Installiert wird im Auto. Fahrerinnen und Fahrer öffnen den Audi Application Store im Infotainment-System und installieren oder aktualisieren die App dort. Ein Smartphone braucht es einmalig, um einen QR-Code auf dem Bildschirm zu scannen und sich anzumelden; danach läuft die App über die eigene Datenverbindung des Fahrzeugs, nicht über die des Telefons.

Datenvolumen auf einer normalen Fahrt

Dieser letzte Punkt ist wichtiger, als er klingt. Eine native App streamt über die SIM-Karte des Autos, die Megabyte landen also in dem Datentarif, den das Fahrzeug nutzt. Spotify gibt Bitraten von 96 kbps bei normaler Qualität, 160 kbps bei hoher und 320 kbps bei sehr hoher Qualität an. Umgerechnet sind das rund 43 MB, 72 MB und 144 MB pro Stunde Wiedergabe.

Eine etwa dreistündige Fahrt von Prag nach Wien verbraucht rund 130 MB bei normaler Qualität, bei sehr hoher Qualität sind es etwa 430 MB. Wer 40 Minuten pro Richtung pendelt, an 20 Tagen im Monat, verbringt etwas mehr als 26 Stunden im Monat im Auto: rund 1,1 GB bei normaler Qualität, etwa 3,8 GB bei sehr hoher. Unser Reichweitenrechner hilft dabei nicht weiter, die Qualitätseinstellung in der App schon.

Welche Autos die App bekommen

Beide Startmodelle stehen auf der PPE-Plattform und nutzen Audis Elektronikarchitektur E3 1.2, die einen App Store im Auto überhaupt erst möglich macht. InsideEVs berichtet, der Rollout umfasse weltweit den A6 e-tron und den Q6 e-tron. Store-Inhalte und Datentarife im Auto unterscheiden sich je nach Markt – dass die App im deutschen oder tschechischen Store auftaucht, heißt also nicht automatisch, dass ein kostenloses Datenvolumen dazugehört.

Der Vergleich

Tesla liefert seit Jahren eine eigene Spotify-App im eigenen Betriebssystem aus, ohne dass eine Google-Vorlage im Weg steht, und Polestar, Volvo und Renault setzen Android Automotive mit der Template-Version ein, die in jeder Marke gleich aussieht. Audi-Fahrende sind die ersten in dieser Google-Gruppe, die einen Bildschirm bekommen, den Spotify gestaltet hat und nicht Googles Vorgaben. Der Preis dieser Freiheit ist die Zersplitterung: Spotify muss nun pro Hersteller eine eigene Oberfläche pflegen statt einer Version für alle.

Chinesische Marken gehen einen dritten Weg und verbauen große Zentraldisplays mit eigenen App Stores, wie beim BYD Danza D9 und Z9 GT mit 115-kWh-Batterien und 850 kW Ladeleistung. Der Bildschirm im Auto wird zur App-Plattform – dieselbe Verschiebung, die das Ladegeschäft durchgemacht hat, als Source seine britischen Ultra-Rapid-Standorte über GreenFlux-Roaming für mehr als 100 Anbieter-Apps geöffnet hat.

Was Sie jetzt tun können

Wer einen A6 e-tron oder Q6 e-tron fährt, sollte den Application Store im Auto prüfen, statt auf eine Over-the-Air-Benachrichtigung zu warten. Stellen Sie die Streaming-Qualität bewusst ein: Der Unterschied zwischen normal und sehr hoch liegt beim Datenvolumen über dem Dreifachen, und in einem Auto mit knappem Inklusivvolumen ist genau diese Differenz der Grund, warum es leer wird. Erwarten Sie keine Videos und keine mitlaufenden Songtexte während der Fahrt; sie sind gesperrt, sobald das Auto rollt – damit bleiben Ladestopps der Moment, in dem das Beifahrerdisplay seinen Platz verdient. Unsere Ladesäulenkarte und die Liste der günstigsten Ultra-Rapid-Standorte sind die richtigen Orte, um solche Stopps zu planen.

Spotify erklärt, weiter in CarPlay und Android Auto investiert zu bleiben, der Weg über das Smartphone verschwindet also nicht. Welche anderen Marken die Headful-App bekommen und wann, wurde nicht angekündigt.

Quelle: https://insideevs.com/news/812853/spotify-new-in-car-app-audi/

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