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Ihr Browser unterstützt das Audio-Element nicht.Wade Mode war nie ein U-Boot-Modus
Am Montagabend des 19. Mai 2026 rückten Beamte der Grapevine Police Department in Texas zur Bootsrampe am Katie's Woods Park aus, nachdem ein Tesla Cybertruck im Wasser liegen geblieben war. Nach Angaben der Behörde fuhr der Fahrer absichtlich in den See, um die Funktion Wade Mode des Cybertrucks zu aktivieren – offenbar überzeugt, dass dies der Moment sei, Musks berühmtes Versprechen zur Wasserquerung zu testen.
Der Truck wurde fahruntüchtig und begann, Wasser aufzunehmen. Die Insassen mussten das Fahrzeug verlassen und an Land waten. Das Wasserrettungsteam der Grapevine Fire Department wurde entsandt, um den Cybertruck aus dem See zu bergen. Zu diesem Zeitpunkt war der Schaden – sowohl am Truck als auch an der rechtlichen Lage des Fahrers – bereits angerichtet.
Der Fahrer wurde noch am Ort festgenommen. Ihm wird vorgeworfen:
- Betrieb eines Fahrzeugs in einem gesperrten Abschnitt des Parks bzw. Sees
- Fehlende gültige Bootsregistrierung
- Mehrere Verstöße gegen die Vorschriften zur Wassersicherheitsausrüstung
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels befindet sich der Fahrer weiterhin in Haft.
Was Elon Musk tatsächlich gesagt hat
Um zu verstehen, warum jemand einen Truck in einen See fährt, hilft ein Blick zurück auf das, was Teslas CEO versprochen hat. Bereits 2022 schrieb Elon Musk auf X (damals Twitter), der Cybertruck sei „wasserdicht genug, um kurzzeitig als Boot zu dienen“. Er bezog sich dabei ausdrücklich auf die rund 360 Meter Wasser zwischen SpaceX' Starbase-Anlage und South Padre Island in Texas. Der Post wurde viral – und offenbar nahmen einige Käufer ihn wörtlich.
Die Realität des Wade Mode ist weit bescheidener. Die Funktion setzt das Batteriepaket des Cybertrucks unter Druck und hebt die Bodenfreiheit an, um Wasserdurchfahrten mit einer maximalen Tiefe von etwa 32 Zoll (rund 81 Zentimeter) zu ermöglichen – ungefähr die Tiefe eines flachen Bachs oder einer überfluteten Straße. Für die Navigation auf offenem Wasser war sie nie gedacht. Sie ist faktisch eine Funktion für tiefe Pfützen, keine Fähigkeit zur Seeüberquerung.
Die California Highway Patrol brachte es nach einem ähnlichen Vorfall im Jahr 2025 auf den Punkt: „Der Wade Mode ist kein U-Boot-Modus.“
Ein wachsendes Muster gefährlicher Missverständnisse
Der Vorfall in Texas ist kein Einzelfall. Im vergangenen Jahr hat sich ein beunruhigendes Muster gezeigt:
- Im Jahr 2025 blieb ein Cybertruck-Besitzer in Kalifornien mit seinem Fahrzeug stecken, nachdem er den Wade Mode in tieferem Wasser aktiviert hatte.
- Ebenfalls 2025 sank ein Cybertruck im Ventura Harbor, als sein Besitzer versuchte, ein Jet Ski zu Wasser zu lassen – der Truck rutschte zu weit die Bootsrampe hinunter und wurde überflutet.
- Ein weiterer Vorfall ereignete sich in der Slowakei, wo ein weiterer Cybertruck bei dem Versuch stecken blieb, in einem See ein Gewässer zu durchqueren.
Alle diese Fälle haben dieselbe Ursache: eine Diskrepanz zwischen dem, was zum Marktstart versprochen wurde, und dem, was das Fahrzeug tatsächlich kann. Wenn ein CEO ein Straßenfahrzeug öffentlich mit einem Boot vergleicht, werden einige Kunden diese Behauptung irgendwann testen – unabhängig davon, was in der Betriebsanleitung steht.
Teslas Haftung und das grundsätzliche Problem des E-Auto-Hypes
Die Marketinggeschichte des Cybertruck ist bemerkenswert weit entfernt von üblicher Automobilpraxis. Die meisten Hersteller sind bei Leistungsversprechen extrem vorsichtig. Tesla unter Musk agierte historisch anders – mit Ankündigungen zu Funktionen, Reichweiten und Fähigkeiten, die teils Jahre zu spät, in abgeschwächter Form oder gar nicht kamen.
Die Behauptung zur Wasserquerung ist ein besonders anschauliches Beispiel. Tesla hat nie Spezifikationen veröffentlicht, die nahelegen, der Cybertruck könne als Boot fungieren, und die offizielle Dokumentation des Fahrzeugs ist eindeutig zu den Grenzen des Wade Mode. Doch die Lücke zwischen Musks öffentlichen Aussagen und dem Kleingedruckten im Handbuch hat sich wiederholt als gefährlich erwiesen.
Europäische Regulierer und Verbraucherschutzbehörden beobachten Teslas Kommunikationspraktiken mit wachsender Aufmerksamkeit. Die 2024 verschärfte EU-Verordnung über die allgemeine Produktsicherheit verpflichtet Hersteller stärker dazu, sicherzustellen, dass Marketingkommunikation – einschließlich Social-Media-Posts von Führungskräften – Verbraucher nicht über sicherheitskritische Fähigkeiten in die Irre führt.
Was der Cybertruck im Wasser kann – und was nicht
Für Cybertruck-Besitzer, die die tatsächlichen Grenzen ihres Fahrzeugs verstehen wollen:
- Tiefe im Wade Mode: maximal etwa 32 Zoll (81 cm)
- Was er tut: Er setzt das Batteriepaket unter Druck, hebt die Bodenfreiheit an und dichtet die Kabine stärker ab
- Was er nicht tut: Er macht das Fahrzeug nicht schwimmfähig, nicht wasserdicht in der Tiefe und nicht auf offenem Wasser manövrierfähig
- Tempolimit im Wade Mode: Tesla empfiehlt maximal 5 mph (8 km/h) im Wasser
- Dauerlimit: Tesla empfiehlt maximal 30 Minuten Wasserkontakt
Keine dieser Spezifikationen erinnert an ein Boot. Der Cybertruck ist nach jedem vernünftigen Maßstab ein Straßenfahrzeug – eines, das mit einer überfluteten Straße besser zurechtkommt als die meisten anderen, aber keineswegs für die Querung eines Sees konstruiert ist.
Der menschliche Preis des Hypes
Das eigentlich Besorgniserregende an Vorfällen wie dem im Grapevine Lake ist nicht nur der rechtliche und finanzielle Schaden für die einzelnen Besitzer. Es ist die Gefahr für Menschenleben. Die Insassen, die das Fahrzeug im Grapevine Lake verließen, hatten Glück. Ein sinkendes Fahrzeug in tiefem Wasser bei Nacht birgt ein erhebliches Ertrinkungsrisiko. Einsatzkräfte mussten auf öffentliche Kosten ausrücken, um die Folgen eines Missverständnisses zu bewältigen, das womöglich nie entstanden wäre, hätte man die ursprüngliche Behauptung sorgfältiger formuliert.
Darin liegt eine weiterreichende Lehre für die E-Auto-Branche. Je leistungsfähiger Elektroautos werden – und je mehr Funktionen wie Wade Modes, autonomes Fahren und große Reichweiten zu Verkaufsargumenten werden –, desto größer, nicht kleiner, wird die Verantwortung der Hersteller und ihrer Führungskräfte, präzise zu kommunizieren. Die Verhaftung in Texas erinnert unter anderem daran, was passiert, wenn das Marketing das Datenblatt überholt.
Was genau ist Teslas Wade Mode und wie tief kann der Cybertruck ins Wasser?
Der Wade Mode setzt das Batteriepaket des Cybertrucks unter Druck und hebt die Bodenfreiheit an, um Wasserdurchfahrten bis zu einer Tiefe von etwa 32 Zoll (81 cm) zu ermöglichen – ungefähr die Tiefe einer überfluteten Straße oder eines flachen Bachs. Für die Querung von Seen oder Flüssen ist er nicht ausgelegt. Tesla empfiehlt im Wade Mode eine Höchstgeschwindigkeit von 5 mph und maximal 30 Minuten Wasserkontakt.
Kann Tesla rechtlich haftbar gemacht werden, wenn Besitzer Elon Musks Fähigkeitsversprechen wörtlich nehmen?
Das ist eine komplexe Rechtsfrage. Teslas offizielle Dokumentation beschreibt die Grenzen des Wade Mode korrekt, was dem Unternehmen erheblichen rechtlichen Schutz bietet. Allerdings prüfen Regulierer in der EU und anderswo zunehmend, ob Social-Media-Posts von Führungskräften irreführendes Marketing darstellen können – insbesondere bei sicherheitskritischen Fahrzeugfunktionen. Bis 2026 hatte kein Haftungsfall gegen Tesla im Zusammenhang mit den Wade-Mode-Vorfällen vor Gericht Erfolg.
Ist diese Art von Vorfall auch in Europa passiert?
Ja. Mindestens ein Vorfall, bei dem ein Cybertruck in einem slowakischen See stecken blieb, wurde gemeldet – nach demselben Muster wie die US-Fälle. Da die Verfügbarkeit des Cybertruck allmählich zunimmt, beobachten europäische Regulierer und Verbraucherorganisationen diese Fälle genau.
Quelle: https://electrek.co/2026/05/19/tesla-cybertruck-owner-believed-elon-musk-lake-jail/