Der Umsatz von 573 Millionen US-Dollar
Die 10-K/A-Änderung von Tesla schlüsselt die Geschäfte mit nahestehenden Parteien sehr detailliert auf. Der weitaus größte Teil der 573,4 Millionen US-Dollar Umsatz stammte von nur zwei von Musk kontrollierten Unternehmen: xAI und SpaceX.
xAI, Musks Unternehmen für künstliche Intelligenz, steuerte im Geschäftsjahr 2025 430,1 Millionen US-Dollar Umsatz bei. Der Großteil davon stammte aus Teslas Energiespeichern vom Typ Megapack, die xAI kaufte, um seinen hungrigen Rechenzentrumsbetrieb mit Strom zu versorgen. Damit endete die Beziehung nicht mit dem Kalenderjahr: Allein im Januar und Februar 2026 verbuchte Tesla weitere 78,1 Millionen US-Dollar Umsatz mit xAI. Zur Einordnung: Die Megapack-Verkäufe an xAI machten 2025 rund 3,4 Prozent des gesamten Umsatzes von Teslas Energiesparte aus – eine erhebliche Abhängigkeit für ein Geschäftsfeld, das europäische Anleger zunehmend als zentral für Teslas langfristiges Wachstum sehen.
SpaceX, Musks Raumfahrtunternehmen, steuerte weitere 143,3 Millionen US-Dollar bei, vor allem durch Fahrzeugkäufe. Die Zahl deckt sich mit unabhängigen Zulassungsdaten, wonach SpaceX allein im vierten Quartal 2025 1.279 Cybertrucks erwarb – das waren 18 Prozent aller Cybertruck-Neuzulassungen in den USA in diesem Zeitraum. Als die Nachfrage von Privatkunden nach dem kantigen Pick-up nachließ, wurden Musks eigene Firmen zu dessen größtem Abnehmer.
Millionen fließen in die andere Richtung
Während Tesla beeindruckende Umsatzzahlen mit seinen Schwesterfirmen verbuchte, schrieb es gleichzeitig Schecks an dasselbe Unternehmensgeflecht. Die gesamten Ausgaben an von Musk kontrollierte Unternehmen erreichten 2025 24,8 Millionen US-Dollar.
An SpaceX zahlte Tesla 11,4 Millionen US-Dollar aus Handels-, Lizenz- und Support-Vereinbarungen sowie 400.000 US-Dollar für die Nutzung eines SpaceX-Flugzeugs. An xAI gingen 4 Millionen US-Dollar an Beratungs- und Support-Gebühren. Die Social-Media-Plattform X (früher Twitter) erhielt 3,3 Millionen US-Dollar für Werbung – ein bemerkenswerter Wandel für ein Unternehmen, das einst auf null Marketingausgaben stolz war und nun Werbung auf der Plattform seines eigenen Vorstandsvorsitzenden einkauft.
Weiter unten in der Liste steht The Boring Company mit 900.000 US-Dollar aus Handelsvereinbarungen, vermutlich für den Tunnel, den das Unternehmen unter der Gigafactory Texas gebaut hat, um die Cybertruck-Produktionslinie mit einem Verladebereich zu verbinden. Eine Sicherheitsfirma im Besitz von Musk erhielt 4,8 Millionen US-Dollar für den Schutz des CEO; laut Meldung deckt dies nur „einen Teil der Gesamtkosten“ von Musks persönlichem Sicherheitsdienst ab.
Sogar Redwood Materials, das von dem früheren Tesla-Manager JB Straubel gegründete Batterie-Recyclingunternehmen, taucht in den Angaben auf. Tesla zahlte 3,3 Millionen US-Dollar an Redwood und verbuchte zugleich 12,9 Millionen US-Dollar geringere Umsatzkosten aus dem Verkauf von Schrottmaterial an den Recycler.
Die 2-Milliarden-Dollar-Wende
Über die laufenden Geschäfte hinaus beschreibt die Meldung ein komplexeres Finanzmanöver. Am 16. Januar 2026 erklärte sich Tesla bereit, 2 Milliarden US-Dollar in die Series-E-Finanzierungsrunde von xAI Holdings zu investieren. Die Aktionäre stimmten dem Geschäft zu in der Annahme, sie unterstützten ein KI-Unternehmen. Nur wenige Wochen später übernahm SpaceX xAI Holdings in einem Mega-Deal, und Teslas xAI-Vorzugsaktien wurden automatisch in SpaceX-Stammaktien der Klasse A umgewandelt. Die Investition wurde am 12. März 2026 abgeschlossen.
Das Ergebnis: Teslas Aktionäre, die für eine KI-Investition gestimmt hatten, halten nun eine Minderheitsbeteiligung an einem Raketenunternehmen. Berichte deuten darauf hin, dass die Beteiligung weniger als 1 Prozent von SpaceX ausmacht, doch die Folgen für die Unternehmensführung sind erheblich. Teslas CEO kontrolliert Käufer und Verkäufer in einem Geschäft, das 2 Milliarden US-Dollar Kapital eines börsennotierten Unternehmens in ein weiteres seiner privaten Projekte umleitete.
Warum europäische Anleger betroffen sind
Tesla gehört weiterhin zu den Aktien, die europäische Privatanleger und Pensionsfonds am häufigsten halten. Seine Fahrzeuge führen die Zulassungsstatistiken für E-Autos von Norwegen bis in die Niederlande an. Die geänderte Meldung zeigt jedoch eine Führungsstruktur, die in jedem europäischen Vorstandssaal für Stirnrunzeln sorgen würde.
In der Meldung heißt es, alle Transaktionen seien „zu Konditionen abgewickelt worden, die unabhängigen Dritten unter den gleichen oder ähnlichen Umständen üblicherweise zur Verfügung stehen“, und seien von Teslas Prüfungsausschuss (Audit Committee) geprüft worden. Doch der kumulierte Effekt lässt sich schwer abtun: Teslas CEO kontrolliert die Unternehmen auf beiden Seiten von Transaktionen im Volumen von Hunderten Millionen Dollar pro Jahr, genehmigt eine Investition von 2 Milliarden US-Dollar in sein eigenes Unternehmen und erlebt, wie diese Investition in Anteile an einem weiteren von ihm kontrollierten Unternehmen umgewandelt wird.
Zudem werfen die konzerninternen Fahrzeugkäufe einen Schatten auf Teslas Absatzzahlen. Ohne die Käufe von SpaceX im vierten Quartal wären die US-Zulassungen des Cybertruck im Jahresvergleich um 51 Prozent gesunken statt der von Tesla gemeldeten Zahlen. Für europäische Analysten, die Teslas globale Nachfrageentwicklung verfolgen, ist es unverzichtbar geworden, echtes Privatkundeninteresse von konzerninternen Flottenverkäufen zu unterscheiden.
Das größere Bild
Tesla erwirtschaftete 2025 insgesamt rund 97,7 Milliarden US-Dollar Umsatz, die 573 Millionen US-Dollar aus Musks Firmen sind also nur ein bescheidener Anteil am Gesamtgeschäft. Doch die Entwicklung ist entscheidend. Die Umsätze mit nahestehenden Parteien erreichen einen neuen Höchststand, die Beziehungen weiten sich auf neue Bereiche wie Social-Media-Werbung aus, und die Beteiligung von 2 Milliarden US-Dollar schafft eine langfristige strukturelle Verbindung zwischen Tesla und SpaceX, die es vor einem Jahr noch nicht gab.
Für europäische E-Auto-Käufer stellt sich die Frage, ob Teslas Fokus weiterhin auf dem Bau besserer Elektroautos liegt oder ob seine Mittel zunehmend dafür abgezweigt werden, ein weitverzweigtes Firmengeflecht zu stützen. Da die Fahrzeugverkäufe zwei Jahre in Folge zurückgehen und der Wettbewerb europäischer, chinesischer und koreanischer Hersteller zunimmt, sind Teslas Führungsentscheidungen längst keine amerikanische Regulierungskuriosität mehr – sie sind ein wesentlicher Faktor für die globale Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
Sind diese Transaktionen illegal?
Nein. Geschäfte mit nahestehenden Parteien sind legal, sofern sie ordnungsgemäß offengelegt und zu marktüblichen Bedingungen abgeschlossen werden. In Teslas Meldung heißt es, die Geschäfte seien von seinem Prüfungsausschuss geprüft und ähnlich bepreist worden wie Vereinbarungen mit Dritten. Governance-Experten fragen sich jedoch, ob die unabhängige Kontrolle ausreicht, wenn dieselbe Person jeden Geschäftspartner kontrolliert.
Betrifft das Teslas Europageschäft?
Indirekt ja. Teslas europäische Gigafactory in Berlin gehört zum selben konsolidierten Unternehmen, und Kapital, das in konzerninterne Transaktionen oder SpaceX-Anteile fließt, wird nicht in Fahrzeugproduktion, Ladeinfrastruktur oder lokale Fertigungskapazitäten reinvestiert. Europäische Anleger und Kunden sind letztlich denselben Governance-Risiken ausgesetzt wie ihre amerikanischen Pendants.
Was wurde aus Teslas 2-Milliarden-Dollar-Investition in xAI?
Tesla investierte im Januar 2026 2 Milliarden US-Dollar in xAI, doch SpaceX übernahm xAI wenige Wochen später. Teslas xAI-Anteile wurden in SpaceX-Stammaktien der Klasse A umgewandelt, sodass Teslas Aktionäre nun indirekt eine kleine Beteiligung an SpaceX halten statt an dem KI-Unternehmen, das sie ursprünglich unterstützt hatten. Die Beteiligung soll weniger als 1 Prozent von SpaceX ausmachen.
Quelle: https://electrek.co/2026/05/01/tesla-tsla-web-transactions-musk-companies-spacex-xai-10ka-2025/