China

Vingroup plant 449-Mio.-Euro-Werk auf den Philippinen für 200.000 E-Autos

Vingroup-Vizevorsitzender Nguyen Quoc Tuan am Tisch mit der philippinischen Handelsministerin Cristina Roque und DTI-Vertretern bei einem Treffen zu Investitionen in die E-Auto-Fertigung. KI-generierte Illustration.
Vingroup-Vizevorsitzender Nguyen Quoc Tuan am Tisch mit der philippinischen Handelsministerin Cristina Roque und DTI-Vertretern bei einem Treffen zu Investitionen in die E-Auto-Fertigung. KI-generierte Illustration.
Vingroup, die Muttergesellschaft von VinFast, will 500 Millionen US-Dollar (rund 449 Millionen Euro) in ein Elektroauto-Werk auf den Philippinen investieren – nach Indonesien und Indien der dritte Produktionsstandort außerhalb Vietnams. Das philippinische Handels- und Industrieministerium (DTI) gibt an, die Fabrik solle mit 200.000 Fahrzeugen pro Jahr starten, der Baubeginn sei im ersten Quartal 2027, die Produktion könnte ab Mitte 2028 laufen. Der Standort ist nicht bestätigt. Die Provinz Batangas ist die bevorzugte Option.

Was das DTI angekündigt hat

Die Investitionssumme geht aus einem Treffen zwischen DTI-Chefin Cristina Roque, weiteren Regierungsvertretern und dem Vingroup-Vizevorsitzenden Nguyen Quoc Tuan hervor und wurde von der Behörde selbst veröffentlicht. Ein Standort wurde nicht genannt. Inquirer.net zitierte Roque mit den Worten, Batangas im Südwesten Luzons sei die bevorzugte Provinz, vor allem wegen der Anbindung an den Hafen. Vingroup sucht Berichten zufolge ein Grundstück von mindestens 300 Hektar.

Der Zeitplan nach Darstellung des DTI: Baubeginn im 1. Quartal 2027, die Bauzeit beträgt ein bis eineinhalb Jahre, die Produktion könnte etwa Mitte 2028 beginnen. Dieser Endtermin ist die Lesart der Behörde, keine von Vingroup veröffentlichte Zusage.

200.000 Einheiten bei einem Markt von rund 467.000

Kapazitätsangaben sind schnell gemacht und schwer einzuordnen. Die Rechnung hilft. 449 Millionen Euro verteilt auf 200.000 Einheiten Jahreskapazität ergeben rund 2.245 € Investition pro Auto, das das Werk in einem Jahr bauen könnte. Die benötigte Fläche von 300 Hektar entspricht etwa 15 Quadratmetern Grundstück pro Einheit Jahreskapazität.

Sinnvoll ist der Vergleich mit der Nachfrage. Auf dem philippinischen Markt wurden 2024 nach Angaben der Chamber of Automotive Manufacturers of the Philippines rund 467.000 neue Fahrzeuge verkauft. Ein Werk mit 200.000 Einheiten entspräche rund 43 % davon. VinFast verkauft dort heute fünf Autos – VF 3, VF 5, VF 6, VF 7 und VF 9 – und ergänzte im Juli drei Roller: Evo, Feliz II und Viper. Selbst wenn man Zweiräder mitzählt: Ein Heimatmarkt, der nur etwa 43 % der Kapazität aufnehmen kann, bedeutet, dass das Werk nur als Exportbasis Sinn ergibt – und die Aufteilung in Links- und Rechtslenker ist die eigentliche Einschränkung dafür, wohin diese Produktion gehen kann. Die Philippinen sind ein Linkslenker-Markt, anders als Thailand, Indonesien und Malaysia, wo Rechtslenker gefahren werden. Ein Werk in Batangas würde daher Linkslenker für den Heimatmarkt bauen und könnte andere ASEAN-Märkte mit Linkslenkung bedienen – Vietnam selbst ist ein Linkslenker-Markt –, während die Rechtslenker-Märkte der Region eine eigene oder umrüstbare Linie bräuchten. Wohin die Produktion gehen soll, sagt das DTI nicht.

Unser E-Auto-Katalog führt die technischen Daten von 67 in Europa erhältlichen Modellen; das europäische Angebot von VinFast ist ein Bruchteil davon – ein weiterer Grund, warum die Stückzahlen-Geschichte hier eine südostasiatische ist.

Chinesische Konkurrenz in derselben Region

VinFast bewegt sich nicht in einen leeren Markt. BYD eröffnete 2024 ein Auto-Werk in Rayong in Thailand und kündigte einen Standort in Indonesien an, beide wurden seinerzeit mit einer Kapazität von rund 150.000 Fahrzeugen pro Jahr beschrieben. Diese Expansion wird aus einer anderen Bilanz finanziert: Wir haben bereits berichtet, dass BYD 1,02 Millionen Beschäftigte führt – rund 170.000 mehr als Toyota, GM, Ford und Tesla zusammen.

Ein Werk für 449 Millionen Euro ist eine bescheidene Größe gemessen an der Kapazität, die chinesische Konzerne in ganz Südostasien aufgebaut haben. VinFasts Vorteil auf den Philippinen sind Timing und Händlernetz, nicht die Stückkosten bei Skalierung.

Die Modelle und was zuerst kommt

Das Werk soll zuerst Autos bauen, später Roller. Diese Reihenfolge ist für den Produktmix wichtig: Der VF 3 ist das kleinste und günstigste Modell der Palette, der VF 9 das größte – und bei der lokalen Montage eines kleinen City-Autos ist das Kostenargument am schwächsten. Roque ordnete den Deal allgemein ein: „Die Investition von 500 Millionen US-Dollar seitens Vingroup unterstreicht den wachsenden Status der Philippinen als bevorzugtes Ziel Südostasiens für moderne Fertigung und grüne Technologie.“

Die Mitteilung enthält keine Angaben zu lokalem Fertigungsanteil, Batteriebeschaffung oder dem Förderpaket für das Werk.

EU-Zölle gelten nicht für in Vietnam gebaute Autos

Die Ausgleichszölle der EU auf batterieelektrische Autos gelten für Fahrzeuge, die in China gebaut werden. In Vietnam montierte Autos fallen nicht darunter, deshalb gelten für VinFasts Europa-Importe andere handelspolitische Bedingungen als für chinesische. Die DTI-Mitteilung erwähnt keine Exporte nach Europa, und mit dieser Kapazität ist das Werk ein südostasiatisches Projekt.

Was noch fehlt

Vier Punkte: der Standort, der Grundstückskauf, die Förderbedingungen und das Verhältnis von Autos zu Rollern im Produktionsmix. Zudem muss Vingroup den Bau finanzieren, während VinFast weiterhin Quartalsverluste meldet – deshalb lohnt der Blick vor allem auf den Zeitplan. Der Baubeginn ist für das 1. Quartal 2027 vorgesehen, also rund zwei bis fünf Monate nach der Ankündigung.

Quelle: https://www.electrive.com/2026/10/30/vingroup-to-build-a-e449-million-ev-plant-in-the-philippines/

Diskussion

Noch keine Kommentare – seien Sie der Erste, der seine Gedanken teilt.