Ein Journalist fährt ihn – und will ihn nicht mehr hergeben
Der Automobiljournalist Kevin Williams hatte kürzlich Gelegenheit, den aktualisierten Xiaomi SU7 Max ausgiebig zu fahren – und sein Fazit fiel deutlich aus: „Wenn Xiaomi den SU7 genau so nach Europa bringt, wird das meiner Meinung nach ein Erfolg.“ Das ist eine bemerkenswerte Aussage über ein Auto, das auf europäischem Boden noch nie offiziell eine Runde gedreht hat – und sie sagt ebenso viel über die Qualität des Produkts wie über den Zustand des europäischen E-Auto-Marktes.
Mit seiner Begeisterung steht Williams nicht allein da. Es wurde vielfach berichtet, dass der CEO von Ford den Wagen nach einer Fahrt am Steuer nur ungern wieder hergab. Diese Anekdote kursiert seit Monaten in Branchenkreisen, und wer Zeit mit dem überarbeiteten SU7 verbracht hat, versteht schnell, warum.
Was der aktualisierte SU7 Max mitbringt
Getestet wurde das Modell Xiaomi SU7 Max, die Topvariante mit einem Dual-Motor-System und 680 PS aus Xiaomis eigenen Elektromotoren – kein Outsourcing, keine Fremdkomponenten im Kern des Antriebsstrangs. Die Batterie misst 101,7 kWh und soll nach dem CLTC-Zyklus bis zu 519 Meilen Reichweite bieten – Chinas stadtlastiger Teststandard, der in der Regel optimistischere Werte liefert als WLTP. Europäische Fahrerinnen und Fahrer dürfen realistischere Werte erwarten, die näher an dem liegen, was WLTP aussagen würde – je nach Bedingungen wahrscheinlich im Bereich von 580–640 km. Eine offizielle WLTP-Homologation für Europa liegt allerdings noch nicht vor.
Die überarbeitete Version ist kein kleines Update. Xiaomi hat Fahrwerk, Antriebsabstimmung, Innenraumdesign und Federung grundlegend überarbeitet. Das Ergebnis ist laut Williams ein Auto, das geschmeidigen, ausgereiften Fahrkomfort mit echter Fahrdynamik verbindet – genau die Kombination, die europäische Käufer von Premium-Limousinen erwarten.
Taycan-Niveau bei der Verarbeitung – zu einem anderen Preis
Das vielleicht aufschlussreichste Detail in Williams' Einschätzung ist der Maßstab, den er heranzieht: der Porsche Taycan. Der SU7 Max, so argumentiert er, erreiche die Verarbeitungsqualität und Fahrdynamik der deutschen Sportlimousine – koste in China aber deutlich weniger als ein Taycan irgendwo auf der Welt. In China unterbietet der SU7 preislich sogar das Tesla Model 3 und positioniert sich damit als premium, aber zugänglich.
Diese Preislogik hat sich auf dem chinesischen Markt als verheerend wirksam erwiesen. Die Glaubwürdigkeit der Smartphone-Marke Xiaomi, verbunden mit Software-first-Denken und vertikaler Integration – das Unternehmen fertigt seine Motoren selbst – hat Käufer angezogen, die sonst vielleicht einen BMW 3er oder einen Tesla gewählt hätten. In nur zwei Jahren hat der SU7 mehr als 380.000 Auslieferungen erreicht – eine Zahl, an die etablierte europäische Premiummarken mit ihrem gesamten Elektroangebot kaum heranreichen dürften.
Was bräuchte Europa tatsächlich?
Die entscheidende Frage für europäische Importeure und Behörden ist stets die Typgenehmigung – das formale Verfahren, mit dem bestätigt wird, dass ein Fahrzeug die EU-Vorgaben zu Sicherheit, elektromagnetischer Verträglichkeit und Emissionen erfüllt. Williams' Einschätzung legt nahe, dass die technische Qualität vorhanden ist. Es bleiben die regulatorischen und logistischen Schritte: WLTP-Homologation, Rechtslenker-Varianten für Märkte wie Großbritannien, Crashtests nach Euro NCAP und der Aufbau eines Servicenetzes.
Xiaomi hat für den SU7 noch keinen verbindlichen Zeitplan für den Europa-Start angekündigt. Der Fokus des Unternehmens liegt auf der Ausweitung der Produktion in China, wo die Nachfrage das Angebot durchgängig übersteigt. Die schiere Produktqualität – zusammen mit Xiaomis tiefer Kenntnis der europäischen Consumer-Electronics-Märkte – macht Europa jedoch zum logischen nächsten Schritt. Xiaomi verkauft bereits Smartphones, Laptops und Smart-Home-Geräte in Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien und Dutzenden weiteren europäischen Märkten. Ein Autohaus ist eine andere Nummer, doch die Markenbekanntheit ist bereits da.
Ein Markt, der bereit ist, überrascht zu werden
Europäische E-Auto-Käufer beobachten seit Jahren, wie chinesische Hersteller mit vielversprechender Hardware antraten und dann bei Software, After-Sales-Support oder einem Preis strauchelten, der nicht recht passte. Der hier getestete SU7 legt nahe, dass Xiaomi die schwierigste Hürde genommen hat: eine Produktqualität, die den Vergleich mit dem Besten aus Deutschland und Japan wirklich aushält.
Der SU7 Max mit 680 PS ist kein Massenprodukt – er ist ein Statement. Xiaomi bietet aber auch zugänglichere Varianten mit kleineren Batterien und nur einem Motor an, die in Europa die eigentlichen Volumenbringer werden könnten, falls die Marke den Schritt wagt. Der Standard-SU7 ist bescheidener dimensioniert und kostet in China nach aktuellem Wechselkurs deutlich weniger als 25.000 €, wobei der europäische Preis zwangsläufig höher ausfallen wird, sobald Standortkosten, Zölle und Logistik eingerechnet sind.
Vorerst beobachtet Europa. Und nach diesem Fahrtest sollte es sehr genau hinschauen.
Wann kommt der Xiaomi SU7 nach Europa?
Stand Mitte 2026 hat Xiaomi noch keinen bestätigten Europa-Starttermin für den SU7 genannt. Das Unternehmen konzentriert sich weiterhin auf die Ausweitung der Produktion in China, wo die Nachfrage seit dem Marktstart 2024 das Angebot übersteigt. Vor einem Verkaufsstart wäre eine europäische Typgenehmigung einschließlich WLTP-Homologation erforderlich.
Wie schlägt sich die Reichweite des Xiaomi SU7 Max im Vergleich zu europäischen Konkurrenten?
Der SU7 Max gibt nach dem chinesischen CLTC-Zyklus bis zu 519 Meilen (rund 835 km) an. CLTC-Werte sind in der Regel optimistischer als WLTP, sodass die tatsächliche Reichweite in Europa wahrscheinlich im Bereich von 580–640 km liegt – konkurrenzfähig mit dem Mercedes EQE und dem BMW i5 und vor vielen Rivalen in diesem Segment.
Ist der Xiaomi SU7 in Europa günstiger als ein Tesla?
In China liegt der SU7 preislich unter dem Tesla Model 3. Europäische Preise wurden nicht bekannt gegeben und dürften wegen Importlogistik, EU-Homologationskosten und möglicher Zollaspekte höher ausfallen. Xiaomis starke vertikale Integration und Fertigungsgröße verschaffen dem Unternehmen jedoch strukturelle Kostenvorteile, die sich in wettbewerbsfähigen europäischen Preisen niederschlagen könnten.
Quelle: https://insideevs.com/reviews/799960/su7-video-update-watch-xiaomi/