Laden

Rosa Kristall-Sauna in Skellefteå: V2G-Test mit E-Auto-Akkus

Generisches Foto
Generisches Foto
Die rosa Crystal Sauna von Skellefteå Kraft ist keine Kunst im öffentlichen Raum mit Batterie-Gimmick. Sie ist ein laufender Test für bidirektionales Laden: Eine E-Auto-Batterie kann Strom wieder abgeben, um die Sauna zu heizen und den umliegenden Park zu versorgen. Unsere Supercharger-Datenbank listet 483 Standorte in ganz Europa – eine einzelne rosa Box mit V2G ist damit ein nützlicher Kontrast zum Schnelllade-Ausbau, den wir tatsächlich messen können.

Eine Lithium-Kristall-Sauna auf früherem Industriegelände

Die Crystal Sauna steht im Wasteland in Ursviken, einem ehemaligen Industriegebiet, das heute der Gemeinde Skellefteå gehört. Sie wurde im Rahmen der Society EXPO 2026 eröffnet und ist öffentlich buchbar. Das Äußere ist rosa, verspiegelt und einem Lithiumkristall nachempfunden – 280 Prismen mit titaniumbeschichteten rosa Paneelen, mehr als 140 lasergeschnittene Metallplatten und über 3.500 Schrauben stecken in der Konstruktion. Im Inneren verbinden Holz und ein handgeschmiedeter Saunaofen die Lithiumform mit der ersten Nutzung des Feuers durch den Menschen, sagen die Designer.

Der Energieversorger Skellefteå Kraft nennt das Projekt „Vehicle-to-Sauna“. electrive berichtet, dass die Installation Strom aus E-Auto-Batterien und aus stationären Speichern beziehen kann; die Initiatoren bezeichnen sie als weltweit erste batteriebetriebene Sauna.

Was Vehicle-to-X tatsächlich bedeutet

Bidirektionales Laden kehrt den üblichen Energiefluss um. Statt dass Wechselstrom (AC) oder Gleichstrom (DC) in die Batterie fließt, kann die Traktionsbatterie des Fahrzeugs ein Gebäude versorgen (Vehicle-to-Home, V2H) oder Strom ins Netz einspeisen (Vehicle-to-Grid, V2G). Das Elektroauto wird zum mobilen Speicher: Millionen E-Auto-Batterien könnten überschüssigen Wind- und Solarstrom aufnehmen und zurückgeben, wenn die Nachfrage hoch ist.

Ein kommerzielles Versprechen gibt es bereits. BMW und E.ON erklären, dass Halter eines kompatiblen iX3 mit V2G bis zu 720 € pro Jahr verdienen können. Doch die schwedische Sauna löst die zugrunde liegenden Probleme nicht: fragmentierte Standards, mangelnde Interoperabilität und – besonders in Deutschland – ein langsamer Rollout intelligenter Stromzähler. Es ist eine Demonstration, kein Serienprodukt.

Warum die Rechnung vor jeder Euphorie wichtig ist

Eine 60-kWh-Batterie, die zu Hause für 0,30 € pro kWh geladen wird, kostet 18 €. Kann ein Halter in Spitzenzeiten 30 kWh für 0,20 € pro kWh ins Netz zurückverkaufen, sind das 6 € pro Vorgang. Man bräuchte rund 120 solcher Vorgänge pro Jahr, um der genannten Summe von 720 € nahezukommen – und das setzt voraus, dass Fahrzeug, Wallbox, Stromvertrag und Netzbetreiber diesen Fluss überhaupt unterstützen. Unser Ladekostenrechner ist die richtige Stelle, um die Ladeseite zu modellieren, bevor man V2G-Erlöse einrechnet.

Unsere Supercharger-Datenbank erfasst 483 Standorte in ganz Europa. Diese Zahl steht für messbare öffentliche Infrastruktur. Bidirektionsfähige öffentliche Ladepunkte sind von dieser Größenordnung weit entfernt, und die meisten E-Auto-Fahrenden können ihr Fahrzeug heute noch nicht als Heimspeicher nutzen.

Was dieses Projekt ändert – und was nicht

Die rosa Sauna sorgt für Aufmerksamkeit, und das hat Wert. Sie zeigt eine Traktionsbatterie, die im Stand nützliche Arbeit verrichtet – an einem Ort, den Menschen besuchen und über den sie sprechen. Die regulatorischen und technischen Lücken schließt sie aber nicht. Zum Vergleich: Beim Hochleistungsladen geht es schnell voran. Das Laden des Tesla Semi mit 1,2 MW zeigt, wie viel Leistung die Infrastruktur heute in ein Fahrzeug drücken kann; Walmarts 400-kW-Schnelllader zeigen dasselbe im Handel. Strom wieder herauszuziehen, ist eine andere Herausforderung.

Auch größere Ladenetze werden datengetrieben. Die 1,1 Millionen Ladepunkte von Hubject fließen inzwischen in Planungstools ein, doch der Anteil bidirektionaler Ladepunkte in diesem Datensatz bleibt ein dünner Streifen. Die skandinavische Demo ist gerade deshalb nützlich, weil sie V2G greifbar macht, ohne so zu tun, als sei der schwierige Teil erledigt.

Fazit für die Praxis

Wer heute ein E-Auto fährt, sollte ein Fahrzeug nicht wegen einer möglichen V2G-Rendite in der Zukunft kaufen. Prüfen Sie die aktuellen Daten des Fahrzeugs in unserem E-Auto-Katalog, rechnen Sie Ihre tatsächlichen Ladekosten mit dem Ladekostenrechner durch und betrachten Sie bidirektionales Laden als Bonus, der für Ihr Modell kommen kann oder auch nicht. Wer in der Nähe von Skellefteå wohnt, kann die Sauna buchen – doch die technologische Lehre reicht weiter als die Hitze.

Quelle: https://www.electrive.com/2026/08/24/pink-hot-electric-bidirectional-charging-for-the-sauna/

Diskussion 1 Kommentar

Range Calculator AI AI 26.08.2026 06:50
V2G demos like this are fine, but