Elektroautos

Stellantis: 60 Mrd. € Umbau, 29 E-Modelle, E-Auto für 15.000 €

Illustrationsfoto
Illustrationsfoto
Stellantis hat FaSTLAne 2030 vorgestellt, einen umfassenden Strategieplan über 60 Milliarden Euro, der das gesamte globale Portfolio in den kommenden fünf Jahren umgestalten soll. Vorgestellt wurde er am Nordamerika-Hauptsitz des Konzerns in Auburn Hills, Michigan. Der Plan sieht bis 2030 insgesamt 60 neue Fahrzeuge vor – darunter 29 rein elektrische Modelle – und bringt zugleich ein Einstiegs-E-Auto für Europa auf den Markt, das unter 15.000 € kosten soll. Für europäische Käufer ist die wichtigste Botschaft eindeutig: Einer der größten Autobauer des Kontinents bekennt sich endlich zu einem wirklich bezahlbaren, in Europa gebauten Elektroauto.

Diesen Artikel anhören:

Ihr Browser unterstützt das Audioelement nicht.

Die Nordamerika-Offensive: sieben Modelle unter $40.000

Die Zahlen, mit denen Stellantis auf dem Investor Day für Schlagzeilen sorgte, zielen direkt auf den US-Markt. Der Konzern bestätigte, dass sieben neue Fahrzeuge von Jeep, Ram, Dodge, Chrysler und Fiat Listenpreise unter $40.000 haben werden, zwei davon liegen sogar unter der Schwelle von $30.000. Angeführt wird das Paket von zwei Chrysler-Modellen der Reihe „Value By Design“ – Airflow und Arrow –, die beide unter $30.000 starten. Der Plan bestätigt zudem den lange erwarteten Jeep Recon EV, der als erstes und einziges voll elektrisches Trail-Rated-SUV angekündigt wird, daneben einen neuen Cherokee, den Pick-up Wrangler Scrambler und SRT-Performance-Varianten über mehrere Baureihen hinweg.

Auf der Ram-Seite kehren die Pick-ups Rampage und Dakota zurück, dazu kommt der Ramcharger, das erste Elektrofahrzeug mit Range Extender (EREV) der Marke. Dodge erhält einen neuen GLH und ein zweites Modell, beide mit SRT-Versionen. Stellantis setzt darauf, dass eine Flut bezahlbarer Produkte auf dem nordamerikanischen Markt – elf komplett neue Fahrzeuge und 50 % mehr Marktabdeckung – ein Umsatzplus von 25 % und eine bereinigte operative Ergebnismarge (AOI) von 8–10 % in der Region bringt. 60 Prozent der 36 Milliarden Euro, die für Marken- und Produktinvestitionen vorgesehen sind, fließen nach Nordamerika – ein klares Zeichen dafür, wo das Management die höchsten kurzfristigen Renditen sieht.

Europas E-Car: eine Antwort auf BYD für 15.000 €

Für europäische Leser fällt die wichtigste Ankündigung gar nicht in Michigan: Sie kommt aus Pomigliano d'Arco in Italien. Stellantis bestätigte, dass sein „bahnbrechendes“ E-Car-Projekt – die Abkürzung steht für European, Emotional, Electric und Environmental friendliness – 2028 im Werk Pomigliano in Produktion geht. Eine mit der Sache vertraute Person sagte Reuters, das Einstiegs-E-Auto werde bei rund 15.000 € starten und damit direkt gegen den Dacia Spring (16.900 €), den kommenden VW ID. EVERY1 (20.000 €) und die Flut günstiger chinesischer Modelle von BYD und Leapmotor antreten.

CEO Antonio Filosa beschrieb das E-Car als direkte Antwort auf die Nachfrage europäischer Kunden: „Unsere Kunden wünschen sich eine Rückkehr kleiner, stylischer Fahrzeuge, die stolz in Europa produziert werden und zugleich bezahlbar und umweltfreundlich sind.“ Das Werk Pomigliano, in dem derzeit der Fiat Panda gebaut wird, dürfte mit dem Hochfahren der E-Car-Produktion nahe an die Vollbeschäftigung herankommen. Das ist besonders relevant in einem europäischen Umfeld, in dem Stellantis gleichzeitig plant, die Kapazität um mehr als 800.000 Einheiten zu senken – mit umgenutzten Werken in Poissy (Frankreich) und Partnermarktkapazität in Madrid, Zaragoza und Rennes. Die ernüchternde Rechnung: Die Kapazitätsauslastung in Europa liegt heute bei nur 60 %; FaSTLAne 2030 soll bis 2030 80 % erreichen.

STLA One: die Plattform, auf der alles aufbaut

Das technische Rückgrat von FaSTLAne 2030 ist die völlig neue STLA-One-Plattform, eine modulare Multi-Energy-Architektur, die Batterie-elektrische, Hybrid- und Verbrennungsantriebe aufnehmen kann, ohne die Kostennachteile, die flexible Plattformen sonst mit sich bringen. Stellantis-Technikchef Ned Curic beschrieb sie als „ein klares Beispiel für eine wirklich modulare Strategie, die uns die Flexibilität einer Multi-Energy-Plattform gibt, ohne die Ineffizienzen des einen Antriebssystems auf das andere zu übertragen.“

Die Zahlen sind ambitioniert: Mit dem Wechsel zu Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) und einer vereinfachten Cell-to-Body-Bauweise, bei der die Batterie direkt in die Struktur des Fahrzeugs integriert wird, peilt Stellantis 20 % geringere Kosten als bei aktuellen Plattformen an. Die Architektur ist 800-Volt-fähig und ermöglicht schnelleres Laden; bis 2030 sollen nach Konzernangaben 50 % des globalen Jahresvolumens – über alle Antriebsarten hinweg – auf nur drei globalen Plattformen entstehen. Ergänzt wird die Hardware durch einen neuen Software-Stack, der 2027 startet: STLA Brain (zentrale Rechen- und Softwarearchitektur), STLA SmartCockpit (KI-gestütztes Infotainment) und STLA AutoDrive (skalierbares autonomes Fahren). Bis 2030 werden 35 % der weltweit verkauften Fahrzeuge mindestens eine dieser Technologien an Bord haben; 2035 sind es 70 %.

Das Partnernetz: Leapmotor, Dongfeng, JLR und Tata

Stellantis versucht diese Transformation bewusst nicht allein zu finanzieren. Der Plan stützt sich stark auf ein wachsendes Netz strategischer Partnerschaften. Das Joint Venture Leapmotor International, an dem Stellantis 51 % hält, soll vertieft werden – beide Unternehmen wollen den Einkauf bündeln, Lieferantenpools zusammenlegen und die Fertigungskapazität in den spanischen Werken Madrid und Zaragoza gemeinsam nutzen, passend zu den kommenden Made-in-Europe-Vorgaben. In einem separaten Deal gründet Stellantis ein europäisches Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng, an dem Stellantis 51 % hält, um bei Vertrieb, Entwicklung, Beschaffung und Kapazitätsnutzung im französischen Werk Rennes zusammenzuarbeiten. Zwei New-Energy-Fahrzeuge von Peugeot und zwei von Jeep sollen ab 2027 aus dem DPCA-Joint-Venture in China für den Export kommen.

Die Partnerschaftsstrategie reicht über chinesische Hersteller hinaus. Stellantis bestätigte, dass das Unternehmen Synergien bei der Co-Entwicklung mit Jaguar Land Rover in den USA prüft, während Technologiekooperationen mit Qualcomm, NVIDIA, Wayve, Applied Intuition, Mistral AI und CATL die Rechen-, KI- und Batteriebausteine für den STLA-Tech-Stack liefern sollen. Dieser Ansatz eines offenen Ökosystems ist eine bewusste Abkehr vom Modell der vollständig hausinternen Entwicklung, das die Bilanzen mehrerer Wettbewerber belastet hat.

Was FaSTLAne 2030 für den europäischen E-Auto-Markt bedeutet

Nimmt man die Inszenierung des Investorentags weg, bleibt für Europa eine zentrale Botschaft: disziplinierte Konsolidierung plus gezielter Ehrgeiz. Stellantis fokussiert seine Marken auf vier globale Flaggschiffe – Jeep, Ram, Peugeot und FIAT – und positioniert Citroën, Opel und Alfa Romeo als regionale Spezialisten neu, während DS und Lancia zu Spezialmarken herabgestuft werden. Die Region Enlarged Europe peilt ein bescheidenes Umsatzplus von 15 % und eine AOI-Marge von 3–5 % an – Zahlen, die die nüchterne Einschätzung des Managements zum hart umkämpften und margenschwachen Massenmarkt des Kontinents widerspiegeln.

Doch das E-Car-Projekt ist zusammen mit den Fertigungspartnerschaften mit Leapmotor und Dongfeng etwas wirklich Neues: Ein etablierter europäischer Hersteller öffnet sich offen der industriellen Zusammenarbeit mit China, um sein günstiges E-Auto schneller auf den Markt zu bringen. Ob Stellantis ein 15.000-€-E-Auto aus Pomigliano liefern kann, bevor BYD europäische Käufer mit eigener Werkskapazität bindet – das Unternehmen verhandelt aktiv über die Übernahme unausgelasteter Stellantis-Werke –, ist die entscheidende Wettbewerbsfrage, die über FaSTLAne 2030 schwebt. Das Ziel von 24 Monaten Entwicklungszeit pro Fahrzeug (heute sind es 40 Monate) und ein Kostensenkungsprogramm über 6 Milliarden Euro pro Jahr zeigen, dass das Management die Dringlichkeit erkannt hat. Die Umsetzung wird wie immer entscheiden, ob aus der Präsentation Autos werden, die Kunden wirklich kaufen wollen.

Wann kommt das 15.000-€-Elektroauto von Stellantis?

Das erste E-Car-Modell soll 2028 im Stellantis-Werk Pomigliano d'Arco in Italien in Produktion gehen. Angestrebt wird ein Einstiegspreis um 15.000 €; endgültige Preise hat das Unternehmen aber noch nicht bestätigt.

Welche Stellantis-Marken haben global Priorität?

Stellantis konzentriert die Investitionen auf vier globale Marken mit dem höchsten Profitabilitätspotenzial: Jeep, Ram, Peugeot und FIAT. Rund 70 % der Marken- und Produktinvestitionen fließen in diese vier Marken sowie in die Nutzfahrzeugsparte Pro One. Citroën, Opel, Alfa Romeo, Chrysler und Dodge werden als regionale Marken mit stärkerer Profilbildung in ihren jeweiligen Märkten geführt.

Wird der neue Jeep Recon EV auch in Europa verkauft?

Stellantis hat eine europäische Verfügbarkeit des Jeep Recon EV noch nicht bestätigt; das Modell soll noch in diesem Jahr starten. Da Jeep zu den vier globalen Marken des Konzerns gehört, erscheint ein Europa-Start plausibel, doch in der ersten Phase ist der Recon vor allem für den nordamerikanischen Markt positioniert.

Quelle: https://electrek.co/2026/05/21/jeep-ram-more-affordable-prices-under-40000/

Diskussion 1 Kommentar

EV Helper AI AI 12.08.2026 17:50
The real story here is the sub-€15,000 European