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Ihr Browser unterstützt das Audio-Element nicht.Der „Pace Car“, der eine digitale Zukunft verbirgt
Auf den ersten Blick wirkt der Prototyp, der nahe dem europäischen F&E-Zentrum von Hyundai gesichtet wurde, wie ein gewöhnlicher IONIQ 6, der ein routinemäßiges Facelift durchläuft. Die vertraute, strömungsgünstige Silhouette ist unverändert. Doch ein Blick durch die Fenster erzählt eine andere Geschichte: Über dem serienmäßigen Armaturenbrett sitzt ein zweites Display, auf dem Pleos Connect läuft – Hyundais Infotainmentsystem der nächsten Generation, das erst im vergangenen Monat vorgestellt wurde. Die Wahl des IONIQ 6 als Entwicklungsträger ist kein Zufall. Die Hyundai Motor Group hat öffentlich bestätigt, dass ihr erstes vollständig softwaredefiniertes Fahrzeug – geplant für die Markteinführung Ende 2027 – auf einem „Pace Car“ aufbaut, das stark von der IONIQ-6-Plattform abgeleitet ist. Indem die Ingenieure die neue Softwarearchitektur schon jetzt in ein bewährtes Elektroauto-Chassis einbetten, können sie die Verarbeitung von Over-the-Air-Updates, zentrale Recheneinheiten und die Echtzeit-Datenvernetzung validieren, lange bevor die endgültige Serienhardware freigegeben ist. Der europäische Teststandort ist besonders aussagekräftig: Das dichte und vielfältige Straßennetz des Kontinents, strenge Datenschutzvorgaben und die schnell wachsende Ladeinfrastruktur machen ihn zum idealen Labor für die Validierung vernetzter Fahrzeuge.Pleos Connect: Hyundais Antwort auf das Smartphone auf Rädern
Pleos Connect ist Hyundais erster konkreter Schritt hin zu dem, was das Unternehmen einen „softwarezentrierten Mobilitätsanbieter“ nennt. Das System, das im April 2026 in Südkorea in der Limousine Grandeur debütierte, übernimmt mehrere Konzepte, die Tesla-Fahrerinnen und -Fahrer kennen – ein anpassbares, app-basiertes Layout, einen großen zentralen Touchscreen mit logischen Zonen und eine dauerhaft eingeblendete untere Leiste für häufig genutzte Anwendungen. In einem entscheidenden Punkt geht Hyundai jedoch einen anderen Weg als Tesla: Ein zweites Display für den Fahrer zeigt Geschwindigkeit, Medien und Abbiegehinweise, sodass er für wichtige Fahrinformationen nie auf den Mittelschirm schauen muss. Noch wichtiger: Hyundai behält physische Klimabedienelemente und Lenkradtasten bei – eine bewusste Entscheidung, die dem Wunsch europäischer Kundinnen und Kunden nach haptischen Bedienelementen bei Autobahntempo Rechnung trägt. Das ist keine vollständige Abkehr von traditioneller Ergonomie, sondern eine selektive Integration digitaler Möglichkeiten. Das Unternehmen will Pleos Connect bis zum Ende des Jahrzehnts in rund 20 Millionen Fahrzeugen von Hyundai, Kia und Genesis ausrollen – eines der ehrgeizigsten Infotainment-Vorhaben der Automobilgeschichte.Eine einheitliche Bediensprache im gesamten Modellprogramm
Neben der Software zeigt der IONIQ-6-Prototyp ein neu gestaltetes Lenkrad, das dem minimalistischen Layout entspricht, das kürzlich in Innenraum-Prototypen des IONIQ 5 gesichtet wurde. Das ist ein aussagekräftiges Detail. Das neue Lenkrad verzichtet auf die heutige tastenlastige Anordnung zugunsten einer aufgeräumten Oberfläche mit einem markanten Rändelrad, flankiert von nur zwei Hauptauswahltasten. Indem Hyundai dieselbe physische Schnittstelle sowohl in den Entwicklungsträgern des IONIQ 5 als auch des IONIQ 6 einsetzt – und mit hoher Wahrscheinlichkeit in der gesamten kommenden Generation –, signalisiert das Unternehmen einen standardisierten Ansatz für physische Bedienelemente, der mit dem digitalen Ökosystem zusammenspielt statt mit ihm zu konkurrieren. Für europäische Fahrerinnen und Fahrer, die zwischen Firmenwagen, Mietwagen und Familienauto derselben Marke wechseln, senkt diese Einheitlichkeit die Eingewöhnungszeit und erhöht den wahrgenommenen Qualitätseindruck.Der KI-Copilot: Gleo und die lernende Kabine
Das vielleicht zukunftsweisendste Element von Hyundais SDV-Architektur ist Gleo AI, ein intelligenter Sprachbegleiter auf Basis eines großen Sprachmodells. Anders als heutige einfache Sprachbefehle, die starre Formulierungen verlangen, soll Gleo natürliche Konversationswünsche verstehen – „Finde ein Restaurant in meiner Nähe“, „Navigiere zur nächsten Ladestation“ oder „Was gibt es heute für Nachrichten in Brüssel“ – und, entscheidend, aus jeder Interaktion dazulernen. Hyundai will die KI über mehrere Jahre weiterentwickeln, was darauf hindeutet, dass der Begleiter mit jedem Over-the-Air-Update persönlicher und kontextbewusster wird. Für europäische Nutzerinnen und Nutzer, die mit mehreren Sprachen, regionalen Akzenten und grenzüberschreitenden Fahrten umgehen, könnte ein wirklich intelligenter Sprachassistent nützlicher sein als spektakulärere autonome Funktionen, die diesseits des Atlantiks regulatorisch weiterhin im Treibsand stecken.Was das für die E-Landschaft in Europa bedeutet
Dass Hyundai sein SDV-Testprogramm beim HMETC ansiedelt und nicht nur am Stammsitz Namyang in Südkorea, ist ein unmissverständliches Signal: Europa ist für diese Technologie der Prioritätsmarkt. Der Kontinent entwickelt sich rasch zum Schlachtfeld für softwaredefinierte Fahrzeuge. Volkswagens krisengeschüttelte CARIAD-Sparte arbeitet unter Druck an ihrer verspäteten Softwareplattform, BMW hat kräftig in sein eigenes Betriebssystem investiert, und Mercedes-Benz verfeinert weiter seine MB.OS-Architektur. Gleichzeitig kommen chinesische Anbieter wie BYD und Xpeng mit ausgefeilten digitalen Ökosystemen, die im anspruchsvollsten Technologiemarkt der Welt gereift sind. Hyundais Ansatz – Tesla-ähnlicher Software-Ehrgeiz kombiniert mit traditionellem ergonomischem Augenmaß – könnte eine Marktlücke besetzen. Europäische E-Auto-Käuferinnen und -Käufer wollen nachweislich moderne Konnektivität, nennen aber zugleich physische Bedienelemente und einfache Bedienung regelmäßig unter ihren wichtigsten Kaufkriterien. Ein Fahrzeug, das sich drahtlos aktualisiert und dennoch vertraute, intuitive Bedienelemente behält, könnte genau das sein, worauf der Markt wartet. Die Tests mit dem IONIQ 6 als Pace Car sind im Kern eine Vorschau auf die gesamte strategische Ausrichtung Hyundais für das kommende Jahrzehnt. Gelingt dem koreanischen Hersteller die richtige Balance – europäische Testumgebungen, europäisches Kundenempfinden und Software-Ehrgeiz, der die Bedienbarkeit nicht opfert –, könnte der SDV-Start Ende 2027 Hyundai vor mehrere etablierte Rivalen bringen, die Milliarden in Software gesteckt haben, ohne bislang viel vorweisen zu können.Wann kommt das erste Hyundai-SDV nach Europa?
Hyundai hat bestätigt, dass sein erstes vollständig softwaredefiniertes Fahrzeug Ende 2027 auf den Markt kommt. Da die Tests am European Technical Centre bereits laufen, wird die Verfügbarkeit in Europa voraussichtlich mit der Weltpremiere zusammenfallen oder kurz danach folgen.
Wie unterscheidet sich Pleos Connect von Teslas Infotainment?
Pleos Connect bietet eine ähnliche anpassbare, app-basierte Oberfläche, behält aber ein eigenes Fahrerdisplay hinter dem Lenkrad sowie physische Tasten für Klima- und Audiofunktionen – Elemente, die Tesla gestrichen hat. Außerdem ist der Gleo-KI-Sprachassistent auf Basis eines großen Sprachmodells integriert.
Erhalten bestehende Hyundai-Elektroautos Pleos Connect per Update?
Fahrzeuge der aktuellen Generation, darunter IONIQ 5 und IONIQ 6, basieren auf anderen Hardware-Architekturen und werden das vollständige Pleos-Connect-Erlebnis voraussichtlich nicht erhalten. Over-the-Air-Updates wird es für bestehende Modelle weiterhin geben, doch das neue System setzt die zugrunde liegende SDV-Rechenplattform voraus, die Ende 2027 kommt.
Quellen: Electrek / Korean Car Blog / Pressematerial der Hyundai Motor Group. Bilder mit freundlicher Genehmigung von SH Proshots.
Quelle: https://electrek.co/2026/05/27/hyundai-testing-new-sdv-setup-in-ioniq-6-ev-images/